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Schuldkomplexe – Robert Stein im Gespräch mit Götz Wittneben

2. Januar 2015
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Robert Stein unterhält sich mit Götz Wittneben über das Phänomen, dass viele Menschen unbewusst unter Schuldkomplexen leiden. Ausgangspunkt für Wittnebens Recherche war die Beobachtung, dass viele hoch intelligente Menschen nur über geringwertige Schulabschlüsse verfügen bis hin zum Förderschulabschluss. Unter anderem auch aus dem Grund, weil das derzeitige Schulsystem nicht willens ist, den individuellen „Durst“ eines Menschen wahrzunehmen, geschweige denn zu würdigen. Anhand der Entstehungsgeschichte seines Buches „Wenn wir wüssten…Einladung zum liebevollen Umgang mit sich selbst“ schildert Wittneben, wie er zunächst ein Buch über die verborgenen und brachliegenden Potenziale in unserer Gesellschaft schreiben wollte, denen er mit Hilfe der von ihm entwickelten „Ich-MindMap“ auf die Spur gekommen war. Im Laufe des Schreibprozesses aber verschob sich die Blickrichtung immer mehr auf die Frage: „Warum leben die Menschen ihr authentisches Wesen nicht?“.

Nach Wittneben sind es unbewusste Glaubenssätze der Minderwertigkeit und er nennt sie „Schutzprogramme“ aus Kindertagen, die ihren Ausgangspunkt in Trennungstraumata finden. Mit Hilfe der Vorstellung von „eigener Schuld“ konnten wir schmerzhafteste Erfahrungen mit einem Deckel versehen und so als Kind überleben. Diese Strategie ist von Kindern mit Missbrauchserfahrung schon lang bekannt. Wir waren also nie verkehrt, sondern haben uns nur als Kind geschützt vor tiefem seelischen Schmerz. Wir haben den kleinmachenden Glaubenssätzen einen Überlebensauftrag gegeben, den wir jetzt als Erwachsene dankbar widerrufen können, weil niemand mehr diese Macht über uns hat, wie wir es in Kindertagen erlebt haben. Wittneben plädiert dafür, sich wieder mit diesem Inneren Kind zu verbinden, es vor allem zu fühlen, statt sich in immer neuen Glaubenssystemen weiter vor dem Fühlen zu schützen. In der „Wiedervereinigung“ mit dem Inneren Kind können wir unserem individuellen Durst folgen. Und „Durst“, so Wittneben, „ist der Beweis dafür, dass es Wasser gibt“.

Götz Wittneben, Jahrgang 1959, studierte Evangelische Theologie, forschte für Rupert Sheldrake im Bereich »Bewusstsein«, arbeitete 12 Jahre mit arbeitsuchenden Jugendlichen in einer Jugendwerkstatt und mehr als vier Jahre als Arbeitsvermittler in der Bundesagentur für Arbeit. Hier ist er in tausenden Gesprächen überraschenden Phänomenen auf die Spur gekommen, die weitreichende Folgen für unser Leben haben. Er ist Vater zweier erwachsener Kinder und lebt seit Herbst 2014 als freier Autor, Lebensberater und Liedermacher in Leipzig. Weitere Informationen zu Götz Wittneben: www.wenn-wir-wuessten.de

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