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Friedensnobelpreis für Donald Trump !?

22. Februar 2018
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Habt Ihr es auch schon mitbekommen? Der in unseren deutschen Medien beliebteste US-Präsident aller Zeiten ist für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen worden. Das mag sich für die meisten Menschen zuerst wie ein schlechter Witz anhören, aber es ist tatsächlich so. Und dabei ist dies noch nicht einmal das erste Mal, sondern nach 2016 und 2017 ist jetzt schon das insgesamt dritte Mal, das Donald Trump für diese Auszeichnung vorgeschlagen wurde. Der Direktor des Osloer Friedensforschungsinstituts, Henrik Urdal, sagte, dass er die Nominierung bestätigen könne. Die Begründung entspreche genau der gleichen wie im Vorjahr, nämlich sein Grundsatz „Frieden durch Stärke“. Vertraulich bleibt aber, wer ihn vorgeschlagen habe. Für den Friedensnobelpreis nominiert werden kann grundsätzlich jeder, nominieren darf hingegen nur ein kleiner Kreis: das sind dann Regierungsmitglieder, Universitätsprofessoren, Friedensforscher oder ehemalige Friedensnobelpreisträger. Deren Vorschläge werden bis zum 31. Januar des jeweiligen Jahres eingereicht, und bis Ende Februar können dann noch fünf Mitglieder des Nobelkomitees selbst ihre Nominierungen abgeben. Soweit also das Prozedere, aber wollen wir uns doch erstmal ansehen, was für ein Preis das eigentlich ist.

Wie sicherlich jedem bekannt sein dürfte, wurden die Nobelpreise von Alfred Nobel gestiftet, dem berühmten schwedischen Chemiker und Erfinder. Obwohl Nobel im Laufe seines Lebens 335 Patente erteilt worden sind, ist seine Erfindung des Dynamits sicherlich die bekannteste von allen. Als er in seinem Testament von 1895 bestimmte, dass ein Großteil seines Vermögens in eine Stiftung übergehen sollte, wurden damals schon Stimmen laut, dass er diesen Entschluss wohl aufgrund eines schlechten Gewissens gefasst hat. Immerhin hat er seinen Reichtum mit Rüstungsunternehmen aufgebaut, was übrigens auch sein Vater schon gemacht hat, sozusagen ein Familienunternehmen für Waffen und Kriegsgerät. Genau weiß man es allerdings nicht, aber es gibt da eine interessante Geschichte: 1888, also acht Jahre Jahre vor seinem Tod, hat eine französische Zeitung einen Nachruf auf ihn veröffentlicht, mit dem Titel: „Le marchand de la mort est mort“, auf deutsch: „Der Kaufmann des Todes ist tot.“ Es war aber sein Bruder Ludvig gestorben und die Zeitung hatte damals einfach schlecht recherchiert, also ein früher Fall von „Fake-News“, wenn man es so sehen will. Über diese nicht unbedingt positive Darstellung seiner Person soll Alfred Nobel aber ziemlich entsetzt gewesen sein, also könnte es durchaus sein, dass dieses Ereignis ihn zu seiner Stiftung inspiriert hat. Wie auch immer, seit 1901 werden jedes Jahr an seinem Todestag am 10. Dezember die Preise in den einzelnen Kategorien verliehen, unter anderem eben der Friedensnobelpreis. Er gilt als der international wichtigste Friedenspreis und die Preisträger geniessen selbstverständlich höchstes Ansehen. Eine der bedeutendsten Auszeichnungen, die auf dieser Welt vergeben werden können. Unsere moralischen Führer, die edelsten Staatsmänner, Leuchtfeuer der Demokratie und Vernunft.

Und ab hier wird es eben schwierig, denn der Name Donald Trump wird jetzt eher selten mit diesen Eigenschaften in Zusammenhang gebracht. Zumindest in unseren Medien. Und wenn wir uns die Definition des Preises einmal genau anschauen, dann wird auch klar warum diese Nominierung auf viel Kritik stößt. Nach Maßgabe des Stifters soll er an den- oder diejenige vergeben werden, „die am meisten oder am besten auf die Verbrüderung der Völker und die Abschaffung oder Verminderung stehender Heere hingewirkt haben. Also der- oder diejenige, die im vergangenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen erbracht hat.“ Das klingt in meinen Ohren jetzt nicht unbedingt als die Beschreibung eines Mannes, der das Budget für Militär und Aufrüstung in den USA in seinem ersten Amtsjahr um weitere 100 Milliarden US-Dollars erhöht hat. Jemand der mal eben so zum Frühstück einem anderen Land zu-zwitschert, dass er bestimmt den größeren hat, also den Knopf für die Atomraketen, und damit unverhohlen mit Krieg droht. Jemand, wo man eben nicht weiß ob er einfach nur durchgeknallt ist oder ein Genie mit geheimer Agenda, die nur er versteht. Immerhin hat er einen IQ von 160 und ist damit schlauer als 99,99% aller anderen Menschen auf diesem Planeten.

Erinnern wir uns doch einmal an seinen Vorgänger, Santa Barack Hussein Obama, der gelobte Heilsbringer und Erlöser, als der er einst angetreten ist. Der war gerade einmal ein paar Tage im Amt, da wurde ihm dieser Preis 2009 auch schon verliehen, und zwar für seine, Zitat: „außergewöhnlichen Bemühungen, die internationale Diplomatie und die Zusammenarbeit zwischen den Völkern zu stärken“. Diese Auffassung von Diplomatie hat „mein lieber Barack“, wie ihn eine ältere Frau aus Berlin auch gerne bezeichnet, offensichtlich ganz anders interpretiert, denn am gleichen Tag der Preisverleihung hatte er eine Truppenerhöhung der US-Streitkräfte in Afghanistan befohlen. Innerhalb von Stunden nach der Entscheidung des norwegischen Nobelpreiskomitees traf sich Obama mit dem Kriegsrat, oder sollten wir hier vielleicht eher von einem „Friedensrat“ sprechen und unterzeichnete den Marschbefehl für 30.000 weitere Soldaten an den Hindukusch. Das Komitee in Oslo hat mit dieser Entscheidung Obama in gewisser Weise grünes Licht für alle Kriegspläne gegeben. Wie friedensfördernd das war kann man fast täglich in den Schlagzeilen lesen, wenn wieder mal ein ganzes Wohnviertel in Kabul in die Luft gesprengt wurde. Das Land versinkt immer mehr im Chaos und eine Lösung ist nicht einmal ansatzweise in Sicht. Alleine im Jahr 2017 gab es über 21.000 Zwischenfälle.

Obama war auch der einzige Präsident, der während seiner gesamten achtjährigen Amtszeit Krieg geführt hat. „That´s a first“, wie die Amerikaner dazu sagen würden, ein Novum unter den US-Präsidenten, und insgesamt wurden in dieser Zeit mehr als 100.000 Bomben über sieben verschiedenen Ländern abgeworfen, was ihn zum einsamen Spitzenreiter unter den „Friedensstiftern“ macht. Fast die Hälfte dieser Bomben wurde alleine in den Jahren 2015 und 2016 eingesetzt, wobei es im Jahr 2016 im Schnitt drei Bomben pro Stunde waren. Das hat den Frieden auf der Welt aber mächtig voran gebracht, „mein lieber Barack“. Aber wie lässt sich die damalige Entscheidung des norwegischen Nobelpreiskomitees einordnen, warum musste Obama diesen Preis unbedingt bekommen?

Auch wenn viele Menschen es gerne anders sehen würden, aber dieser Preis wird und wurde schon immer als Propagandawerkzeug missbraucht und hat mit den edlen Zielen, die ihm eigentlich zugrunde liegen, rein gar nichts zu tun. Er muss als Ablenkungsmanöver gesehen werden, um die Kriege des US-Militärs zu unterstützen. Der sprichwörtliche „Krieg ohne Grenzen“, wie er durch die weltweite Stationierung von US-Truppen gekennzeichnet ist. Es gab auch keine Umkehr der US-Außenpolitik nach den Jahren der Bush-Regierung, welche den Preis für Obama gerechtfertigt hätte, denn das genaue Gegenteil war ja der Fall. Seine Agenda war eine Ausweitung des Krieges entlang ganz neuer Grenzen und mit einem neuen Team von militärischen und außenpolitischen Beratern war die Kriegsagenda von Obama viel effektiver bei der Förderung von Eskalation als der Entwurf der Falken und NeoCons in der Bush-Ära. Das perfide daran ist aber, dass der Friedensnobelpreis diesen illegalen Kriegspraktiken die nötige Legitimität verschafft hat, das passiert dann nämlich alles im Namen der Demokratie, wenn fremde Gebiete besetzt werden und unerbittlich Zivilisten getötet werden. In Wirklichkeit ist das kein Krieg gegen den Terror der weltweit geführt wird, sondern das ist ein Krieg gegen die Wahrheit, und nichts anderes. Das Komitee in Oslo sagte 2009, dass Obama der Welt „Hoffnung auf eine bessere Zukunft“ gegeben hat, aber stattdessen wurde der Preis zu einem integralen Bestandteil der Propagandamaschinerie des Pentagon. Mit ihm wurde die Theorie des gerechten Krieges etabliert, um die wahre Natur der US-Außenpolitik zu verschleiern und wir können ganz sicher sein, dass die Verleihung sorgsam mit dem norwegischen Komitee und den höchsten Ebenen der US-Regierung ausgehandelt wurde. Der Preis machte die US-Kriege zur gerechten Sache und die Kriegsverbrechen der Regierungen von Bush und Obama wurden damit aus dem Bewusstsein der Bevölkerung gelöscht, zumindest in den Teilen der Welt, wo die Menschen dieser Propaganda ständig ausgesetzt sind. Aus Krieg wird letztendlich Frieden, sozusagen eine lohnende „humanitäre Anstrengung“. Friedlicher Widerstand wird dagegen zur Häresie, der friedliebende Mensch wird also zum Ketzer.

Es war jedoch bei weitem nicht das erste Mal, dass dieser Friedenspreis missbraucht wurde, denn schon 1973 gab es massive Kritik an der Verleihung. Im diesem Jahr wurde er einem Mann verliehen, der heute in mehreren Ländern als Kriegsverbrecher gesucht wird, aber immer noch den Nimbus des „Elder Statesman“ genießt und frei herum laufen darf. Dieser Mann war Berater vieler US-Präsidenten und an seinen Händen klebt das Blut von Millionen Menschen. Die Rede ist von Henry Kissinger, der den Preis damals für die „Herbeiführung eines Waffenstillstands im Vietnamkrieg“ bekam, zusammen mit dem Nordvietnamesen Le Doc Tho. Wenn man bedenkt, dass Kissinger und die Regierung von Präsident Nixon vorher noch die Luftangriffe in Indochina massiv ausgeweitet haben, dann wird klar wie politisch motiviert die Vergabe des Preises schon immer war. Wenn also derjenige, der den Krieg begonnen hat dafür ausgezeichnet wird, dass er ihn wieder beendet, dann ist es ungefähr so als würde ein Feuerwehrmann, der einen Brand gelegt hat, für das Löschen geehrt. Kissinger hat die B-52-Bomberflotten der US-Air-Force nicht nur über Vietnam ihre friedensfördernde Fracht abwerfen lassen, sondern auch Laos und Kambodscha ins Chaos gestürzt und Leid und Elend für viele, viele unschuldige Menschen gebracht.

Was steht nochmal in der Begründung für den Preis: „“derjenige, der im vergangenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen erbracht hat?“ Was war der Nutzen von Flächenbombardements nochmal?

Aber kommen wir zurück ins hier und jetzt und zum GröTwaZ, zum größten Twitterer aller Zeiten. Was wäre jetzt also schlimm daran, wenn der US-Präsident Donald Trump tatsächlich den Friedensnobelpreis bekommen würde? Nun, es wäre eigentlich nur konsequent, wenn man eben einige der früheren Preisträger genauer anschaut. Diejenigen, die das Spiel mitspielen und die richtige Melodie anstimmen, die werden geehrt  und hofiert. Aber diejenigen, die sich wirklich für Frieden auf dieser Welt einsetzen, tja, die können oft lange warten, bis es soweit ist. Mahatma Ghandi wurde für seinen friedlichen Kampf gegen die Unterdrückung durch die britische Kolonialmacht in Indien insgesamt fünf mal, ja, wirklich fünf mal für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen, aber auf Druck der Briten hat das Komitee in Oslo jedesmal klein bei gegeben und den Preis an andere verliehen. Wenn ihn jemals einer verdient hätte, dann wäre es schließlich Ghandi gewesen. Aber es kam ja bekanntlich ganz anders, als er 1948 ermordet wurde.

Kleines pikantes Teil zum Schluss: Die Nobel-Stiftung hat einen Teil ihres Vermögens in einen Index-Fonds angelegt, der unter anderem in die Rüstungskonzerne Textron, Raytheon und Lockheed Martin investiert. Diese drei Firmen sind alle Teil des US-Atomwaffenprogramms. Und darüber kann jetzt jeder mal nachdenken, was es eigentlich bedeutet, wenn die Preisgelder des Friedensnobelpreises mit dem Geld von Firmen erwirtschaftet werden, die Atomwaffen herstellen.

Passt doch irgendwie in unsere Zeit, oder? Wie hat Einstein doch gesagt: „Es gibt zwei Dinge, die unendlich sind. Das Universum und die Dummheit der Menschen, aber beim Universum bin ich mir nicht ganz sicher.“

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