Götz Wittneben im Gespräch mit Dr. Gerald Hüther. Die Zukunft gehört der Co-Kreativität, die im offenen Austausch von Menschen entsteht, die sich und ihr Gegenüber nicht mehr länger als Objekt von Urteilen, Bewertungen und Vergleichen sehen, sondern als einzigartiges, gestaltungsfähiges und selbstwirksames Subjekt. Aber warum fällt das uns Menschen so schwer? Dazu Gerald Hüther: „Weil wir von Kind auf gelernt haben, dass uns die Erwachsenen zum Objekt ihrer Erwartungen und Bewertungen gemacht haben. Wir haben als Kind gelernt, dass eine Bewertung von dem, was ich tue, eine Bewertung meiner ganzen Person ist.“ Im herrschenden Schulsystem drehe sich praktisch alles um Bewertungen in Form von Zensuren und wir machen uns später selbst zum Objekt unserer eigenen Vorstellungen.
Götz Wittneben geht in der Beantwortung dieser Frage noch einen Schritt weiter zuürck. Nach seinen eigenen empirischen Forschungen fällt ein Kind im Falle eines schmerzhaften Trennungs-Traumas unbewusst ein Ur-Urteil über sich, das Schuld- und Minderwertigkeitsgefühl hervorruft. Damit kann sich das Kind eigenartigerweise vom tiefen emotionalen Schmerz abtrennen, aber als Erwachsene laufen wir noch mit gleichen Minderwertigkeitsgefühlen herum, immer noch mit der kindlichen Angst vor dem tiefen Schmerz. Angst und Offenheit für einen echten Austausch passen aber nicht zueinander.
Hüther: „Wenn es uns gelänge, einen Weg im Zusammenleben zu finden, dass wir Freude daran empfänden, sich selbst ernst zu nehmen und sein Gegenüber auch, also einander als Subjekt zu begegnen, anstatt gegenseitig als Objekt zu behandeln, dann gäbe es keine Arroganz mehr.“
Hoch interessant sind auch Hüthers Ausführungen über das Wesen der „Kohärenz“, also der Resonanz neuronaler Netzwerke. Im Prinzip strebe das Gehirn immer wieder diesen Zustand an, also sich von einem inkohärenten in einen kohärenten Zustand zu bringen, weil er praktisch mit Glück gleichzusetzen ist und – das Gehirn in diesem Zustand am wenigsten Energie verbraucht. Energie-Effizienz aber ist allen evolutionären Prozessen innewohnend.
Dies ist kein normales Interview, sondern ein echtes Gespräch von zwei Menschen, die sich ihrer selbst bewusst sind. Ein Gespräch, in dessen Verlauf sich tatsächlich so etwas wie Co-Kreativität entwickelt und wahrzunehmen ist.
Gerald Hüther hat die Akademie für Potentialentfaltung gegründet: „Wir brauchen Gemeinschaften, deren Mitglieder einander einladen, ermutigen und inspirieren, über sich hinauszuwachsen.“
www.akademiefuerpotentialentfaltung.org
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