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Journalismus und Propaganda – Norbert Fleischer


15. September 2016

Götz Wittneben im Gespräch mit dem Journalisten und Dokumentarfilmer Norbert Fleischer

Mit seinem Dokumentarfilm-Debüt „Ramstein – Das letzte Gefecht“ (eine NuoViso-Produktion), der den amerikanischen Luftwaffen-Stützpunkt vor den Toren Kaiserslauterns klar als Drehscheibe des Todes in Bezug auf den amerikanischen Drohnenkrieg demaskiert, hat der Journalist Norbert Fleischer nach langer Zeit des Schreibens für die Printmedien gleich einen Volltreffer gelandet. Dieser Film leistet wertvolle Aufklärungsarbeit darüber, dass sich die Bundesregierung durch ihre stillschweigende Toleranz der amerikanischen Aktivitäten auf der Airbase mitschuldig macht an völkerrechtswidrigen Vergehen, nämlich dem „extra-legalen“ Töten von Menschen durch Drohnen. Zu dieser Auffassung kommt sogar eine Expertise des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages. Rein rechtlich könnten die betroffenen „Drohnen-Ziel-Länder“ Deutschland den Krieg erklären, weil Deutschland sich durch seine Toleranz an einem völkerrechtswidrigen Angriff auf ihr Land beteiligt. Die Airbase ist darüber hinaus mitnichten „exterritoriales“ Gebiet, wie es die amerikanische Botschaft in Berlin ist, sie ist lediglich an die Vereinigten Staaten von Amerika verpachtet und kann mit einer Kündigungsfrist von 24 Monaten gekündigt werden.

Norbert berichtet aus seiner Erfahrung als Journalist bei der Springer-Presse (u.a. Bild-Zeitung), bei der jeder journalistisch tätige Mitarbeiter mit dem Arbeitsvertrag eine Klausel unterschreiben muss, die ihn zur „transatlantischen Freundschaft mit den Vereinigten Staaten“ verpflichtet. Das erklärt seiner Meinung nach auch, dass die gesamte Springer-Presse sich mit kritischen Äußerungen über Ramstein zurückhält und die nicht geleugnete Tatsache, dass die Funksignale für die Drohnen – beispielsweise in Pakistan oder Jemen – von Ramstein aus zum Satelliten geschickt werden, mit dem Begriff „angeblich“ relativiert. Lediglich ein-zwei Sendeformate wie beispielsweise „Frontal 21“ hätten das Thema „Ramstein“ bisher journalistisch aufgegriffen.

Norbert beschreibt den Wandel in den Redaktionen der Zeitungen innerhalb der letzten Jahrzehnte. Journalisten hätten heutzutage praktisch keine Zeit mehr für fundierte und zum Teil langwierige Recherche. Im Prinzip verwendeten die Journalisten lediglich die Nachrichten, die von den großen Nachrichten-Agenturen wie Reuters, ap, dpa etc. vorgegeben würden. Und hier läge die große Gefahr der Manipulation einerseits durch die Vorab-Auswahl und andererseits dadurch, dass eigene Recherche und Verifizierung praktisch nicht mehr stattfände. Zur Propaganda ist es dann nicht mehr weit. Als nächstes Dokumentarfilm-Projekt hat sich Norbert Fleischer darum die Darstellung von Propaganda im Journalismus ausgesucht – ein mutiges Unterfangen.

Der Link zum Trailer von „Ramstein- Das letzte Gefecht“ https://www.youtube.com/watch?v=ZN7gxjAI8Ng

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