Götz Wittneben im Gespräch mit dem Bewusstseinstrainer und Sterbebegleiter Roland Haase.
Wie viele Menschen, so kam auch Roland Haase durch eine Lebenskrise in Berührung mit dem Thema Tod und Sterben. Seine Geschwister und Freunde gingen diesem Thema aber aus dem Weg und so war es ein Jesuitenpater, der ihm riet, einmal ein Hospiz zu besuchen. Roland Haase wusste damals überhaupt nicht, was ein Hospiz ist, fand dann aber schnell den Kontakt zum Leipziger Hospizverein, der 1993 ins Leben gerufen wurde. Er durchlief 2004 eine halbjährige Schulung – als einziger männlicher Teilnehmer – und ist seitdem gerne und mit Freude ehrenamtlicher Sterbebegleiter. Freude? Wie kann ein Mensch Freude an einer solchen Tätigkeit empfinden?
Wenn er zu Beginn dieser Tätigkeit anderen davon erzählte, konnte er zunächst nur sagen, dass er es gerne tut, weil es ihm leicht fällt, da war ihm noch nicht bewusst, dass da sogar Freude war. Ein wesentlicher Anteil dieser Freude speist sich daraus, dass Roland in dieser Begleitung in echte Beziehung zu allen Beteiligten tritt und an sich Seiten entdeckt, die sonst in seinem Alltag als „Vielredner“ eher unterbelichtet waren: hier lernte er echtes Zuhören, lernte Achtsamkeit mit sich und anderen Menschen. Darüber hinaus erlebte er tiefe Dankbarkeit seitens der Angehörigen für das, was er getan hatte, wobei sich sein „Tun“ häufig auf sein bloßes Da-Sein in einer ihm eigenen Grundhaltung beschränkte. Ihm wurde bewusst, dass er aus seiner Sicht sogar mehr bekommt, als er bewusst gibt.
Roland Haase erzählt hier von zahlreichen wiederkehrenden Phänomenen im Umgang mit Sterbenden und ihren Angehörigen, wie zum Beispiel, dass Sterbende mit dem Sterben so lange warten, bis noch Dinge geregelt sind oder ein Kind von weit her zum Abschiednehmen kommen konnte. Eine wichtige Grundlage für ein gutes Verhältnis zwischen Sterbebegleiter und den Sterbenden und ihren Familien bildet der Erstkontakt mit den Koordinatoren des Hospizvereins, die sich einfühlen, welcher der ehrenamtlichen Sterbebegleiter zu diesen Menschen passen könnte, „die Chemie muss stimmen“! Viele Menschen haben keine Angst vor dem Tod, aber vor dem Sterben. Als eine der zentralen Aufgaben der Hospizvereine sieht Roland Haase, eine Atmosphäre der Ruhe und der Offenheit zu schaffen, in der Menschen sich öffnen können, über alles zu sprechen, was ihnen auf dem Herzen liegt.
Weitere Informationen zu Roland Haase: http://www.jetzt-lebe-einfach.de
Hier finden Sie Links zu Landesverbänden des Deutschen Hospiz- und Palliativverbände: http://www.dhpv.de/ueber-uns_mitglieder.html
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