Kurz nach dem Fall der Mauer gab es über ein Nacht das Land DDR nicht mehr. Die bis dahin für die Menschen maßgeblichen Strukturen und Ordnungen, Bürokratien und Verwaltungen, Gesetze und Dogmen, sowie die sozialistischen Maßstäbe und Werte, brachen zusammen wie Kartenhäuser. Die unblutige Revolution hatte wie ein Sturm alles das beseitigt, was alt und ausgelebt gewesen war, hatte die Grenze endlich gesprengt und den heiß ersehnten Traum von Erweiterung und Freiheit gebracht.
Doch wie weiter? Das alte System gab es nicht mehr, das Neue war noch nicht da. Sehr viele Menschen in der ehemaligen DDR hatten einen Traum von einem neuen Land. Dieser Traum war schon einmal geträumt worden zur Zeit des Prager Frühlings.
Ohne Anordnung von einer Regierung entstanden aus den Montagsgebeten in den Kirchen vor der Maueröffnung, die „Runden Tische“ in allen Gemeinden, Städten, Betrieben, Schulen und Einrichtungen des Landes. Menschen aus allen Lebensbereichen versammelten sich, um miteinander zu reden und zu beratschlagen wie es weitergehen soll. Aufgaben wurden verteilt und übernommen. Es war ein Erwachen, eine Freude, ein riesiges Interesse an der Neugestaltung des Landes, das die Menschen begeisterte, vereinte und Neues träumen ließ. Wie von selbst kam aus dem Nichts eine anarchische Struktur hervor, die die Menschen zu einem Netzwerk vereinte. Jeder Einzelne war mit seinen Fähigkeiten und Talenten gefragt. Da, wo er lebte und wirkte, gestaltete er die neue Situation gemeinsam mit den anderen.
Viele Menschen aus der ehemaligen DDR denken mit Freude an die zwei Jahre zurück, in denen mit Natürlichkeit, Einfachheit, Kommunikation und viel Kreativität gemeinsam an einem neuen Leben und einem neuen Land gebaut wurde, ohne den Einfluss einer Regierung.
Seitdem wissen diese Menschen, dass Anarchie funktioniert, wenn nur genügend an Zeit für den Wachstums-Prozess vorhanden ist. Es ist ein natürlicher Prozess, der einem universellen Gesetz folgt.
Miriam Gudrun Sieber erzählt aus dieser Zeit, die sie damals selbst mitgestaltet hat, und die weitgehend verschwiegen ist. Sie glaubt daran, dass der Traum heute endlich in naher Zukunft Wirklichkeit wird, denn die Welt liegt in Geburtswehen mit ihrer großen Sehnsucht nach Freiheit, Würde, Gleichwertigkeit und Liebe zwischen uns allen und zur Mutter Natur.
Götz Wittneben im Gespräch mit der Autorin und Lebensbegleiterin Miriam Sieber.
Weitere Informationen zu Miriam Sieber: http://www.miriam-sieber.de/
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