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Beruf Hebamme vom Aussterben bedroht? Götz Wittneben im Gespräch mit Jana Mieke

31. Januar 2016
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Ist das Hebammen-Sterben gewollt? Götz Wittneben im Gespräch mit der Hebamme Jana Mieke über die segensreichen Aufgabe der freien Hebammen und deren akute Gefährdung.

Unbemerkt von der deutschen Öffentlichkeit vollzieht sich seit ein paar Jahren ein systematischer Abbauprozess der freien Hebammen in Deutschland. Aufgrund enorm angestiegener Haftpflicht-Beiträge, deren Subventionierung die Politik strikt ablehnt, müssen immer mehr freie Hebammen ihren Beruf aufgeben. Es gibt bereits Gegenden in Deutschland, in denen im Umkreis von 100 Km lediglich eine einzige Hebamme zu finden ist, werdende Mütter haben also praktisch nur noch die Möglichkeit, während der Schwangerschaft zum Gynäkologen zu gehen und ihr Kind in einem Krankenhaus zu gebären. Das scheint System zu haben, denn die Schulmedizin betrachtet die Geburt eines Kindes nicht als das Natürlichste der Welt, das von wissenden Frauen begleitet wird, sondern für ein „medizinisches Risiko-Ereignis“, das in jedem Fall in einem Krankenhaus stattzufinden hat. So müssen denn auch immer mehr Geburtshäuser schließen und wenn die freien Hebammen nicht zusätzlich Kurse anbieten würden, könnten sie auch nicht mehr als Beleg-Hebammen arbeiten.

Dass ein Krankenhaus allerdings nur an einer erhöhten Zahl von medizinischen Sonderleistungen wie Dammschnitte, Periduralanästhesien und Kaiserschnitten verdient, nicht aber an einer „natürlichen Geburtsbegleitung“, ist ein Fakt. Und darum nimmt es nicht Wunder, dass genau diese Zahl von „Leistungen“ steigt, fast ein Drittel der Krankenhausgeburten sind mittlerweile Kaiserschnitte.

Dagegen hat jede Frau ab dem Moment, da die Schwangerschaft positiv festgestellt wurde, Anrecht auf individuelle, psychosoziale Begleitung durch eine freie Hebamme, d.h. die Kosten werden (noch?) von der Krankenkasse übernommen. Die Hebammen sehen ihre Aufgabe vor allem darin, die Schwangeren und ihr Umfeld auf das seit hunderttausenden von Jahren Natürlichste der Welt vorzubereiten, was die Menschheit kennt: die Geburt eines Kindes. Die Zahl der Geburts-Komplikationen bei Frauen, die so begleitet werden, liegt unverhältnismäßig weit unter der Zahl, von im Krankenhaus Gebärenden.

Weitere Infos zur Arbeit von Jana Mieke: www.hebammenpraxis-leipzig.de Deutscher Hebammen-Verband: www.hebammenverband.de

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