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Riesen-Egos zerstörten die Mahnwachen – Miró von Unblogd im NuoViso Talk

10. Mai 2016
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Die Mahnwachenbewegung brachte 2014 viele Menschen in Deutschland auf die Straße. Politische Aktivisten versammelten sich, um das Einheitsparteien-Regime in Deutschland zum Einlenken zu zwingen. Doch bald zerstörte sich die Bewegung selbst und wurde zu einem Trümmerhaufen. Der Grund dafür liegt in den riesigen Egos, die in der Bewegung aufeinander trafen. Das zumindest sagt Miró von Unblogd, Youtuber, Meinungsblogger und Erzieher. Er spricht mit Hagen Grell im NuoViso Talk.

In Berlin, Leipzig, Bonn, München, Hamburg, Dresden und über 100 weiteren Städten formten sich 2014 die Mahnwachen, um gegen den Ukraine-Krieg zu protestieren. Die Stimmung war hoffnungsvoll und ein Hauch von Revolution. Doch so schnell die Mahnwachen gewachsen waren, so schnell wurden sie auch wieder zerstört. Der Grund: Streitigkeiten bei den Organisatoren, vielleicht Unterwanderung, aber definitiv Uneinigkeit und Misstrauen. Darüber berichtet Miró, der in den Mahnwachen politisch aktiv und gleichzeitig menschlich enttäuscht wurde.

Miró sieht Parallelen zwischen dem extrem narzisstischen/ egoistischen Verhalten von Mahnwachen-Protagonisten und der Erziehung, welcher die deutschen Kinder auch heute noch ausgesetzt sind. In seinem Beruf als Erzieher sieht er, wie Kinder nicht mehr Kinder sein dürfen. Sie haben in der Schule den Alltag von Erwachsenen, aber die Rechte von Gefängnisinsassen. Sie müssen sich langweilen lassen, anwesend sein, Aufgaben gehorsam erfüllen, aber haben keine Möglichkeit zur Selbstgestaltung und zum positiven Selbsterleben. Die meisten sind absolut planlos nach der Schule.

In den Medien wiederum werden Kinder und Jugendliche gleichzeitig überfordert und abgestumpft. Bereits Kinderserien warten mit krassen Neonfarben, karikaturhaftem Schauspiel und einem atemberaubenden Schnitttempo auf. Im Musik und Popkultur ist eine Hypersexualisierung allgegenwärtig. Filme und Videospiele strotzden teilweise nur so vor Gewalt. Und so schalten Kinder und Jugendliche ab und werden zu Zombies und Pflichterfüllern oder zu Aussteigern.

All das, so Miró, spiegele sich in der Gesellschaft wieder und sei ganz krass bei der Mahnwachen sichtbar geworden. Denn die Mahnwachen waren anfangs oft ein hierarchiefreier Raum, also die perfekte Gelegenheit für gekränkte Egos, sich als Herrscher aufzuspielen.

Miró empfiehlt: Wir müssen unsere Kinder gesund erziehen und wir müssen die eigenen Verletzungen, die wir als Kinder erlitten haben, aufarbeiten. Nur so können wir uns als Gesellschaft noch retten.

 

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