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Nach der Krise kommt der libertäre Anarchismus? – Oliver Janich im NuoViso Talk

21. Februar 2016
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Deutschland bewegt sich und vollzieht in einer schwindelerregenden Geschwindigkeit einen ungekannten Transformationsprozess, der sowohl von der internationalen und nationalen Politik, der weltweiten und deutschen Wirtschaft und von deutschen Graswurzelbewegungen beeinflusst wird. Die Frage ist: Wohin geht die Reise? Und sollte man es den Eliten überlassen, die Zielstation zu definieren? – Nein, sagt Oliver Janich, investigativer Journalist und libertärer Autor. Nach der Krise kann und wird es zu verschiedenen Gesellschaftsexperimenten kommen. Dem geplanten NWO-Sozialismus setzt er seine Vision eines libertären Anarchismus entgegen, welcher – im Gegensatz zur häufig fälschlichen Gleichsetzung mit Gewalt – eine friedliche, freie Ordnung darstellt, in der schlechte Regeln und Herrscher von allein verschwinden und sich nützliche Übereinkünfte automatisch durchsetzen.

Die Kernaufgaben, die die Menschen an einen Staat abgeben, so Janich, sind soziale Absicherung und innere wie äußere Sicherheit. Der Staat muss Grenzen schützen, Verbrechen verhindern und die Rahmenbedingungen für ein menschenwürdiges Leben gestalten. Im krassen Gegensatz dazu garantiert der deutsche Staat weder die Grenzsicherung, noch klärt er annähernd die Verbrechen in Deutschland auf (zB werden von den gemeldeten Wohnungsdiebstählen nur 15% aufgeklärt), geschweige denn, sie zu verhindern. Die soziale Absicherung kann auf Hartz4-Niveau und Mini-Rente auch kaum noch garantiert werden. Überdies mischt sich der Staat, zusätzlich zu diesem Totalversagen, übergebühr in Vereinbarungen und Verträge zwischen Unternehmen und Menschen und auch zwischen Menschen untereinander ein, die weder die grundlegenden Staatsaufgaben betreffen, noch einer sonstigen Regulation bedürften, und erschwert oder verhindert diese privaten Verträge unnötiger- und schädlicherweise.

Griechenland dagegen zeigt nun umgekehrterweise, dass sich Menschen in anarchistischer (herrschaftsfreier) Weise auf der lokalen Ebene auch in Krisen selbstverantwortlich organisieren können. Der griechische Staat ist zwar pleite und zapft den deutschen Staat daher an. Doch die griechische Bevölkerung, die sich nicht von ihrem Staat abhängig macht, organisiert sich anarchistisch durch persönliche, familiäre und lokale Strukturen, um zu überleben. Ein ähnliches Modell hält Oliver Janich auch in Deutschland für möglich.

Die Sicherheit in Deutschland könnte durch private Versicherungen und Sicherheitsunternehmen gewährleistet werden. Durch einen polypolen Markt würden schlechte Unternehmen verschwinden und gute (humane und effektive) Unternehmen bestehen und wachsen. Der freie Kundenfluss würde neben der freien Unternehmerschaft dazu führen, dass Menschen sich von böswilligen oder ineffektiven Unternehmen verabschieden und zu guten Unternehmen abwandern oder selbst nützliche, nachhaltige Unternehmen gründen. Die soziale Absicherung wäre durch die Möglichkeit gegeben, sich immer seinen Lebensunterhalt frei und ungehindert durch eigene Arbeit zu verdienen. Die äußere Sicherheit könnte wiederum durch spezialisierte Sicherheitsunternehmen gewährleistet werden.

Warum diese utopisch erstrebenswert anmutenden Visionen bisher nicht in die Tat umgesetzt wurden, erklärt Janich mit der jahrhundertelangen Herrschertradition, die sich zunächst als Monarchen aufstellten und später eine indirektere Herrschaft in Form von Staaten etablierten. Die Menschen seien bisher nie frei gewesen, sondern immer von mehr oder weniger sichtbaren Herrschern kontrolliert worden. Konsequenterweise sieht Janich daher einen freiheitlichen, regionalen Anarchismus als Ideal für die Zukunft und als ohnehin zwangsläufige Konsequenz aus dem weltweiten Versagen von immer mehr Staaten und Regierungen an der Schwelle zum Totalitarismus. Eine libertäre Zukunft ist möglich, und sie wird kommen, so Janich.

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