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Der Germanikaner: Im Krieg stirbt die Wahrheit zuerst – Timothy Clark Hickcox im NuoViso Talk

18. Januar 2016
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Als Bundeswehrsoldat in Afghanistan machte Timothy Hickcox die Erfahrung seines Lebens, auf dessen Höhepunkt an Silvester eine „Technoparty vom feinsten“ stattfand. 90% der stationierten Soldaten seien besoffen oder standen gar unter Drogen. Hätte in diesem Moment ein Angriff seitens der Taliban stattgefunden, dann…

Über seinen Einsatz in Afghanistan und wie die Eindrücke sein Leben veränderten schrieb Timothy Hickcox in einem Buch nieder.

Hier eine Leseprobe aus „Der Germanikaner – Im Krieg stirbt die Wahrheit zuerst“

Tag 1 in Termez Usbekistan

Meine damalige Ehefrau rief mich aus Deutschland an. Sie meinte es ginge ihr nicht gut wegen dem Baby das Sie ja verloren hatte. Noch am Telefon brach Sie zusammen. Ich setzte alle mir zur Verfügung stehenden Hebel in Bewegung, um ein paar Wochen früher heimkehren zu können, was mir dann auch letzten Endes gelang. So flog ich von Kundus erst mal wieder nach Termez, Usbekistan. Dort musste ich dann aber 5 Tage verweilen und zwar mit den 7 toten Soldaten, weil in Island der Vulkanausbruch dem Luftverkehr große Sorgen bereitete. Meine Unterkunft bestand aus 2 Containern mit 10 Betten, die Tür konnte man nicht verriegeln und ich war völlig alleine dort untergebracht. In diesen 5 Tagen hätte ich mir beinahe das Leben genommen.

Tag 2

Ich schrieb  meiner damaligen Gattin, dass ich in Termez festsitze und es ein paar Tage länger dauern könnte, bis ich wieder zuhause bin. Sie schrieb zurück: Ich gehe mit da damm da damm ins Kino. Ich so: “Mit dem Typen? Ist nicht dein Ernst?” Muss mich ablenken, erwiderte Sie. In dem Moment wurde mir bewusst, dass sie mich betrügt. Mir wurde klar, dass ich meine Kameraden alleine zurück ließ um wegen dieser “Lampe” heim zu gehen ( so jedenfalls mein Original-Gedanke). Sie kümmerte sich nicht um meinen seelischen Hilfeschrei. Ständig hatte sie etwas besseres zu tun. Jetzt dachte ich plötzlich: “Verdammt! Alles was ich mache ist falsch!” Ich trank unheimlich viel, nahm meinen Gürtel und befestigte ihn an einer Querstange an der Decke und legte los. Die Querstange verbog sich, brach und schlug mir auf den Kopf und in dem Moment verstand ich es. Das Leben schlug mir auf den Kopf und sagte: “Junge so nicht!!!” Also entschied ich mich zum weiteratmen.

Tag 3 in Termez

Es ist heiß und es finden sich immer mehr Soldaten ein die von überall herkommen. Kundus, Masar El Sharif, Kabul, Feyzabad. Ich unterhalte mich mit Soldaten aus belgischen, armenischen und amerikanischen Einheiten. Ein Deutscher, verriet man mir, dürfe mit dem Fahrzeug Mungo jetzt nicht mehr in Masar El Sharif herumfahren, weil es nicht sicher genug sei. Ich lachte und sagte: “Du verarschst mich wohl? Wir transportieren Leute von A nach B mit diesen Dingern und ich spreche von Kundus nicht Malle de Sharif.” Er lachte nur und meinte: “Wahnsinn in welchem Zustand uns die Regierung hier her geschickt hat, mit dieser Drecks Ausstattung.” Wir sitzen im “Area 51”, das ist der Entertainment-Raum für Soldaten am Flughafen in Termez. Im TV läuft gerade RTL, wo eine Familie gezeigt wird, die gerade an einer Strandbar sitzt, die Frau trank ein Cola- Weizen, aß Schnitzel und während dessen regte sie sich darüber auf, dass sie ein paar Tage länger im Urlaub verbringen müssten wegen dem Vulkanausbruch eben. Da kommt man sich ganz schön verarscht vor. Ich gehe weiter an die Bar wo ich mich mit belgischen Soldaten unterhalte, die mir lachend sagten: „Unfassbar, die blöden Engländer haben das Dorf hoch gejagt, welches wir fast monatlich besucht hatten, da waren keine Taliban, die wollten uns nur ihr Opium nicht für den billigen Dollar Preis verkaufen und standen ihnen deshalb als Konkurrenz im Weg“. Beinahe kam es zu einer Massenschlägerei zwischen englischen und belgischen Soldaten. Armenier, die ich am gleichen Abend traf, sprachen von ihrer Aufgabe, gewisse Opium- Felder zu umgehen und andere zu beschützen.

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