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Devisenkrieg in Südamerika – Klage gegen Siemens AG deckt Geschäftsgeheimnis auf


28. März 2021

Ein realer Detektiv-Krimi im Bereich Wirtschaft & Geopolitik – Niedergeschrieben vom Journalisten & einstigen politischen Gefangenen Billy Six im Februar 2021

Die Hauptversammlung einer Aktiengesellschaft ist ein Erlebnis fürs Leben: Promis und Normalos, Finanz-Eliten und Krawall-Aktivisten – alle auf einem Haufen. Auf der gesetzlich mindestens einmal jährlich vorgeschriebenen Zusammenkunft der Anteilseigner – sprich Eigentümer – müssen sich Vorstand und Aufsichtsrat das Vertrauen aussprechen lassen – und dazu wesentliche Geschäftsstrategien und Entscheidungen erklären. Als Neben-Programm: Kostenloses Bankett, warme Mahlzeiten, Kaffee, Eiskrem. Die letzten DAX-Konzerne, die dem basisdemokratischen Kapitalismus eine Bühne boten, waren Siemens und Infineon im Februar 2020. Alle anderen agierten seitdem nur noch virtuell. „Wegen Corona“, so heißt es nun aus den Schaltzentralen, solle es auch künftig bei digitalen „Lösungen“ bleiben … der Bundestag hat diese vorerst nur bis Ende des Jahres ermöglicht.

Siemens war auf Corona vorbereitet
Damals, am 05. Februar 2020 in der Münchner Olympiahalle, herrschte bei der Siemens AG noch die „alte Normalität“: Rund 6.400 Anteilseigner trafen – dicht gedrängt – von 10:07 bis 18:43 Uhr aufeinander. Es war wie schon in den Vorjahren eine der größten Zusammenkünfte dieser Art in Deutschland – und in vielerlei Hinsicht historisch. Vorstandschef Josef „Joe“ Kaeser hat das Ende der althergebrachten Industrieproduktion im deutschen Traditionskonzern bekräftigt, „die wohl größte Transformation unserer 172-jährigen Geschichte“ – noch nicht wegen des China-Virus, sondern aufgrund eines vermeintlich vom Menschen verursachten Klimawandels. Die Zukunft: „Künstliche Intelligenz“ (…), „5G-Netze“ (…), „Weltmarktführer in der industriellen Digitalisierung“ (…), eine „Verbindung zwischen intelligenten Netzen und intelligenten Gebäuden“(…), „die Vierte Industrielle Revolution“, so Kaeser. Weise Voraussicht mit einer bereits seit 2015 betriebene Vorarbeit, die sich auszahlen wird: Das Wachstum bei Automatisierung und Gesundheitstechnik sorgt 2020 dafür, dass der Umsatz mit 57,1 Milliarden Euro im Kern-Betrieb – ohne die ausgegliederte „Siemens-Energy“ – trotz „der Pandemie-Krise“ fast gehalten werden kann.Anders als zahlreiche andere Betriebe befindet sich Siemens ganz und gar nicht in einem Todeskampf: Trotz des allgemeinen Niedergangs konnte auch im Corona-Jahr ein zehnstelliger Gewinn eingefahren werden, der mit 4,2 Milliarden Euro nur 26 Prozent geringer sei als 2019, so der letzte Geschäftsbericht. Insbesondere der chinesische Markt – also dort, wo der Corona-Hype seinen Anfang nahm – stützt den in fast allen Ländern aktiven Welt-Konzern nachhaltig.

Wer mindestens eine Aktie hat, darf die Manager befragen
Mein Redebeitrag – als einer von 51 – drehte sich damals aber um ein ganz anderes, gänzlich unbeachtetes Problem: Das mysteriöse Geschäft im südamerikanischen Venezuela … und damit Hintergründe für die „Regime-Change“-Politik der Bundesregierung von 2017 bis 2019, die letztlich auch zu meiner viermonatigen Haft und der zeitweisen Ausweisung des Botschafters führte. Ein Thema, das hierzulande vor allem in alternativen Medien Beachtung fand … und für dasich von den Kollegen der Systempresse-Organe bestenfalls Stirnrunzeln erntete. Dass es Vorgänge gibt, über die niemand öffentlich spricht, wusste ich bereits durch Mitarbeiter der DHL, von Linde, Lufthansa und eben Siemens in Caracas. Nun aber geht es um eine offizielle Bestätigung. ZwischenPodium und Publikum erfrage ich am Mikro, was der Vorstand in schriftlichen Anfragen zuvor nicht

beantworten wollte: Ist Siemens von der Entscheidung der venezolanischen Regierung gegenüber vielen ausländischen Firmen seit 2015 betroffen, seine Einnahmen an Landeswährung nicht mehr inDevisen tauschen zu dürfen? Wenn ja: Wie hoch sind die Verluste? Und warum bleibt Siemens dennoch im Markt? Auf welche Weise hilft die Bundesregierung, um eventuell das Problem zu mildern bzw. abzuwenden?Der dröge wirkende Vorstandschef – damals 62 Jahre alt und mit 14 Millionen Euro Jahresgehalt – hat sich eine Antwort vorbereiten lassen, die Frage war am Aktionärstisch hinterlegt. Emotionslos und ein wenig monoton betont Kaeser, dass Siemens in Venezuela „natürlich sehr sehr wenig Investitionen aufgrund der politischen und wirtschaftlichen Situation des Landes“ habe. Die Sanktionen der USA respektiere er. Das Interesse an „einer zuverlässigen Energieversorgung für dieBevölkerung, Versorgung von Hospitälern, Schulen, zivilen öffentlichen Einrichtungen mit Strom und auch der Lieferung von Medizintechnik“ sei dennoch ungebrochen. Man halte jedoch „alle anwendbaren gesetzlichen Regelungen strikt ein, insbesondere natürlich im Bereich der Exportkontrolle“, so Josef Kaeser. Auf die Devisen-Problematik ist er mit keinem Wort eingegangen.

Ein Kenner des Aktienrechts eilt zur Hilfe
Doch auf eine ausweichende Antwort bin ich glücklicherweise vorbereitet – der im alternativen Spektrum bekannte Volkswirt Markus Krall hat mich an Prof. Ekkehard Wenger vermittelt, einem Wirtschaftswissenschaftler und „Hauptversammlungsschreck“, so das „Handelsblatt“. Vorab riet mir dieser, dass eine „Nichtbeantwortung zu Protokoll des Notars zu rügen“ sei. „Fragen müssen dann als nicht beantwortet ins notarielle Protokoll aufgenommen werden“, so Prof. Wenger. Den Schlipsträgern im Umkreis des Vorstands schien dies dann auch sehr unangenehm zu sein. Resolutes Auftreten war nötig. Und bis zuletzt rechne ich mit schmutzigen Tricks. In einer persönlichen Nachricht schreibt Wenger ein paar Tipps, die für alle kritischen (Klein-)Aktionäre Gold wert sind: „Dringend zu empfehlen ist eine griffige, nach Möglichkeit bereits in der Hauptversammlung vorgetragene Begründung, warum ein ,objektiv denkender‘ repräsentativer Aktionär – also nicht Sie in Ihrer Eigenschaft als Journalist, die Hauptversammlung ist kein Rechercheforum für Journalisten – ein begründetes Interesse an der Beantwortung der Fragehat … etwa weil er klären will, ob ein Verdacht auf Pflichtverletzung besteht, zum Beispiel, weil der Vorstand versäumt hat, rechtzeitig Maßnahmen zur Verlustvermeidung zu ergreifen.“ Das hat er selbst schon öfter durchgemacht. „Deshalb sollte auch nach der Höhe des in Venezuela entstandenen Schadens bzw. Forderungsausfalls gefragt werden und ob man sich fahrlässigerweise darauf eingelassen hat, in Landeswährung statt in Hartwährung abzurechnen und ob nicht allein schon Ersteres hätte Anlass sein müssen, nichts zu liefern, nachdem Venezuelas Weg in den Abgrund – und der seiner Landeswährung – schon bei der rechtsverbindlichen Auftragsannahme (…) absehbar war.“

Klage auf Auskunft ohne Anwalt möglich

So meldet sich das „Hauptversammlungs-Team“ von Siemens denn auch 13 Tage später per E-Post bei mir: „Wir verstehen uns als lokales Unternehmen und sind uns der damit einhergehenden gesellschaftlichen Verantwortung bewusst. Wir sind davon überzeugt, dass eine funktionierende Infrastruktur das Potential hat, die sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen, und damit die Lebensqualität der Menschen, langfristig zu verbessern“, so der namenlose Absender. Und: „Nicht zuletzt haben wir auch eine Verantwortung gegenüber unseren Mitarbeitern vor Ort, und deren Familien.“ Ob das aber der Zweck einer Aktiengesellschaft ist? Immerhin würde der Vorstand Wort halten: In Zukunft, so hatte es Josef Kaeser nämlich angekündigt, gehe es um einen „inklusiven Kapitalismus“ – in der englischsprachigen Eliten-Welt auch „Stakeholder Value“ genannt –, der die

Gewinne auf „Kunden, Mitarbeiter, Anteilseigner und die Gesellschaft“ aufteile. „Unternehmen können heute nicht mehr so tun, als wäre der erwirtschaftete Gewinn der einzige Geschäftszweck“, so Kaeser. Ganz im Bismarckschen Sinne dürfte das auch als Präventiv-Aktion gegen die wachsende Gefahr eines (selbst-)zerstörerischen Linksextremismus zu sehen sein. Auf meiner Frage bleibe ich dennoch sitzen. Nur soviel: „Die von Ihnen erwähnte Währungslage“, so Siemens, habe sich „bemerkbar gemacht“ … ein Ankratzen des Problems, das mich nicht befriedigen kann. Ein Glück sind noch ein paar Stunden Zeit, innerhalb der obligatorischen Zwei-Wochen-Frist eine formlose Klage beim Landgericht München einzureichen – dort also, wo sich derHauptsitz der Firma befindet. Ein Vorab-Fax reicht, um die Fälligkeit zu wahren … und auch ein Anwalt ist in erster Instanz – „Geschäftswert“ 5.000 Euro – nicht nötig. Offenbar werden Streitfragen zum Aktiengesetz von den niederrangigen Amtsgerichten gar nicht erst behandelt. Siemens übergibt den Fall an eine private Rechtsanwaltskanzlei, die fast vier Wochen später mit einer Doppelstrategie antwortet: Sie warnt die Richter, dass ich „ausweislich öffentlich verfügbarer Informationen freier Journalist und rechter Aktivist“ wäre. Und: „Der Antragsteller und seine Familie warfen der Bundesregierung während und nach Ende der Inhaftierung eine unzureichende diplomatische Hilfeleistung vor.“ Eine Einnordung, die schaden wird, obwohl sie mit der Sache selbst rein gar nichts zu tun hat. Außerdem bestreiten die Advokaten, dass es sich im vorliegenden Fall überhaupt um „ein für die Beurteilung des Gegenstands der Tagesordnung wesentliches Element“ handle. Dazu hätte ich keine ernstzunehmende Beteiligung am Unternehmen und „der Antrag“ wäre „möglicherweise bereits verfristet“.

Auch Siemens hatte das Devisen
Privileg verloren -Davon unabhängig … und das bleibt ein großes Rätsel im vorliegenden Fall … wird meine Frage aber dennoch endlich beantwortet: „Die venezolanischen Gesellschaften der Antragsgegnerin sind als lokale Unternehmen naturgemäß auch von den von der Regierung Venezuelas angeordneten Beschränkungen des Tauschs von Einnahmen in Landeswährung (Bolívar) in Devisen betroffen“, sodie beiden Anwälte in ihrer original unterschriebenen Antragserwiderung an das Gericht. Siemens sei seit 1935 vor Ort und aktuell mit vier Tochtergesellschaften vertreten, die „knapp über 120 Mitarbeiter“ beschäftigten, offiziell sind es 580. Aber: „Aus diesen Beschränkungen des Tauschs von Einnahmen in Landeswährung in Devisen als solchen, auf die sich die Fragen des Antragstellers beziehen, resultiert jedoch kein Verlust für die Antragsgegnerin. Die venezolanischenGesellschaften erwirtschaften nicht nur einen Teil ihrer Erlöse in Bolívar; entsprechend sind die lokal anfallenden Kosten in Bolívar zu zahlen. Die Devisenbeschränkungen führen lediglich dazu, dass die venezolanischen Gesellschaften etwaige Gewinne, die in der Landeswährung erwirtschaftetwerden, nicht an die Antragsgegnerin abführen können; solche Gewinne werden derzeit thesauriert. Ein Verlust entsteht der Antragsgegnerin dadurch nicht.“Es wird das Gericht am Ende nicht interessieren … aber in meiner Rückantwort folgt der deutliche Hinweis, dass Venezuela in jener Zeit von einer Hyperinflation betroffen war, die so hoch war wie zeitgleich nirgendwo sonst auf der Welt: 65.370 Prozent im Jahre 2018 und 19.910 Prozent in 2019,so der IWF. Wie in einer derartigen Lage eine „Thesaurierung“, also das Einbehalten von Geldern, wirklich nachhaltig stattgefunden haben kann, bleibt ein Geheimnis des Siemens-Vorstands. 19 Monate war ich vor Ort gewesen … und habe miterlebt, wie das Wirtschaftsleben allenfalls dank eines damals noch illegalen Dollar-Schwarzmarkts funktionierte, den das Land mittlerweile komplett übernommen hat. Im besagten Zeitraum jedoch Waren in einheimischer Währung zu kaufen – gar für Investitionen, die für ein Technologie-Unternehmen von Interesse wären, so etwa Ersatzteile – wäre ein Ding praktischer Unmöglichkeit gewesen. Sollten nun in der Buchhaltung jene Ausgaben, die nur über Devisen von der Muttergesellschaft zu stemmen gewesen wären, mit den Bolívar-Einnahmen nach Maßgabe des fiktiven Währungskurses der venezolanischen

Regierung gegengerechnet worden sein, so könnte der Tatbestand des Betruges erfüllt sein, da Verluste nur kaschiert wären … eine kritische Nachfrage, auf die Siemens nicht mehr konkret eingeht, sich aber davor verwahrt, in irgendeiner Weise illegal gehandelt zu haben.

Wie tief steckt das Merkel-Regime in der Sache drin?
Und … „Nur zur Klarstellung: Mit vermeintlichen Zusagen der deutschen Bundesregierung, auf die der Antragsteller in seiner Antragsschrift verweist (dort, S. 2), hat der Verbleib von Siemens in Venezuela nichts zu tun“, schreiben die Anwälte. „Es gab und gibt namentlich keine Unterstützung der venezolanischen Gesellschaften seitens der deutschen Bundesregierung in Bezug auf die Devisenbeschränkungen. Eine solche Unterstützung hat Siemens auch zu keinem Zeitpunkt angefragt.“

Von den Vorstandschefs anderer DAX-Konzerne, die ich als Aktionär mittlerweile ebenfalls angefragt habe, klingt dies etwas anders: Lufthansa-Chef Carsten Spohr etwa antwortet, dass sein Unternehmen „bei den Verhandlungen mit der Regierung von den Venezuelern [sic!] durch die deutsche Botschaft in Caracas sehr gut unterstützt wurde.“ Christian Sewing, Chef der Deutschen Bank, zeigt sich zurückhaltender: „Wie auch andere Unternehmen befinden wir uns im regelmäßigen Austausch mit der Bundesregierung. Wir bitten um Ihr Verständnis, dass wir zu Inhalten einzelner Gespräche nicht öffentlich Stellung beziehen können.“ Werner Baumann, Boss der Bayer AG, gibt sich gänzlich ahnungslos: „Zu konkreten Aktivitäten der Bundesregierung liegen uns keine Informationen vor.“ Immerhin: Den Totalausfall des Geschäfts in Venezuela – bei Lufthansa und Bayer explizit aufgrund der Devisenfrage – bestätigen sie alle. Die Frankfurter Banker betonen nur, sich aus freier Entscheidung bereits vorab zurückgezogen zu haben.

Aus einer Kleinen Anfragen der AfD-Bundestagsfraktion geht hervor, dass die Vertreter von Angela Merkel und Heiko Maas „unter anderem über die deutsche Botschaft in Caracas deutsche Unternehmen durch Vermittlung von Gesprächskontakten dabei unterstützt“ hätten, „Verhandlungenüber die Begleichung ausstehender Zahlungsforderungen zu führen“. Ihre Zahl sei von 2009 bis 2019 dennoch von „50 bis 70“ auf „etwa 28“ gesunken. Zu den „derzeitigen deutschen Interessen inVenezuela“ mag die Bundesregierung wirtschaftliche Belange jedoch nicht zählen … sondern nur „die Wiederherstellung der Demokratie in Venezuela, die Linderung der humanitären Notlage und die Wahrung der Menschenrechte“. Berichte aus „KenFM“, wonach es Absprachen mit der Opposition über die Coltan-Förderung gäbe, dementiert das Berliner Regime. „Die deutsche Wirtschaft bezieht nur in sehr geringem Umfang Rohstoffe aus Venezuela“, heißt es in der Drucksache 19/11708. Der AfD-Bundestagsabgeordnete Petr Bystron aus München … dessen Initiative über den russischen Außenminister am 15. März 2019 zu meiner Befreiung aus dem Stasi-Knast in Caracas geführt hatte … spricht von einem „Hohn“, den Abgeordneten zu suggerieren, dass das Land „für uns nicht von wirtschaftlichem Interesse wäre“. Er bedauert, dass die Chancen, beispielsweise die marode Erdöl-Infrastruktur zu sanieren, offenkundig verspielt wurden. „Insbesondere deutsche Firmen“ seien „benachteiligt“ worden, „die Chinesen und Amerikaner haben da weiter Geschäfte gemacht“, so der Diplom-Politologe. Die Bundesrepublik habe es sich am Südrand der Karibik „absolut verscherzt“, sagt Bystron: Der SPD-Außenminister habe „ganz ganz offensiv einen Regime-Change unterstützt“ und sei „kläglichst gescheitert, Maduro ist immer noch an der Macht“. Die Abgeordnete Daniela De Ridder … für die SPD im Auswärtigen Ausschussund glühende Anhängerin von Heiko Maas … möchte zur Thematik trotz mehrerer Anfragen nicht Stellung beziehen.

Deutsches Militär zur Schulden-Eintreibung

Über den Wissenschaftlichen Dienst des Parlaments ließ sich Bystrons Bundestagsbüro dazu eine inVenezuela populäre „Verschwörungstheorie“ offiziell bestätigen: Ja, die deutsche Regierung

versuchte schon einmal wirtschaftliche Interessen gegen das Land durchzudrücken – das war von 1901 bis 1903. Mittels einer Seeblockade suchte die Kaiserliche Marine, aufgestaute Schulden einzufordern. Erfolglos. Sie wurden von den Amerikanern verjagt. Zum Fall, so der Wissenschaftliche Dienst, gebe es nach wie vor große Aktenbestände im „Bundesarchiv, Abteilung Militärarchiv in Freiburg“, sowie im „Politische(n) Archiv des Auswärtigen Amtes in Berlin“. Die Hamburger Prozessakten gegen zwei deutscher Waffenhändler, die 1929 einen erfolglosen Putsch-Versuch im Land ausrüsteten, „sind wohl nicht überliefert“. Wandelten Merkel und Maas also auf ausgetretenen Pfaden? Den Drohnenbomben-Anschlag auf Präsident Nicolás Maduro vom 04.08.2018 will die Bundesregierung auch auf wiederholte Nachfragen hin nicht verurteilen – und setzt sich weiter für die angeklagten mutmaßlichen Hintermänner Borges und Requesens ein. „Lange galt Deutschland als einer der wichtigsten Handelspartner Venezuelas“, so der Wissenschaftliche Dienst – aber von 2009 bis 2018 sei der Warenaustausch von 1,56 Milliarden auf 441 Millionen Euro geschrumpft.

Richter schützen Siemens vor kritischen Nachfragen
Es wäre vermessen, zu glauben, das BRD-System würde einer „nervigen Ameise“ den Erfolg gönnen: Die drei Richter, die den Fall „Six vs. Siemens“ … Aktenzeichen „AZ 38 O 2094 / 20“ … behandeln, beenden am Ende – wie immer ohne Unterschrift – jede weitere Diskussion abrupt: Der Antrag auf Auskunft wird zurückgewiesen, alle Kosten gehen auf meine Kappe. Und: „Die Beschwerde wird nicht zugelassen.“ Begründung: Auch wenn im Verfahren am Ende die meisten Inhalte zur Sprache gekommen sind … und genau das hatte der erfahrene Prof. Wenger ja vorab als Chance gesehen … so hätte ich mich jedoch bereits mit den Aussagen des Vorstandsvorsitzenden in der Hauptversammlung zufrieden geben müssen, so das Landgericht München in seinem Beschluss.Einer Auseinandersetzung mit meinen Fragen hätte sich Siemens gar nicht stellen müssen, da „sich die Erforderlichkeit nicht bejahen“ ließe. „Diese beurteilt sich vom Standpunkt eines objektiv denkenden Aktionärs, der die Verhältnisse der Gesellschaft nur aufgrund allgemein bekannter Tatsachen kennt und beurteilen kann.“ Bedeutet im Klartext: Da die venezolanische Devisen-Problematik in den bundesdeutschen Zentral-Medien so nie vorkam, ist sie nicht allgemein bekannt – und kann somit nicht Gegenstand einer aktienrechtlichen Hinterfragung sein. Dagegen bekamen Gretas „Freitage für die Zukunft“ jedoch bei der letzten Präsenz-Versammlung der Siemens AG breiten Raum … zahlreiche Redner durften über „den Klimawandel“ sprechen, teils bis zu 12 Minuten lang. Der Siemens-Vorstand ging auf die Forderungen trotz Nachteilen für die alte Geschäfts-Welt und viele Mitarbeiter ein. Die Abwendung „der Klimagefahr“ scheint ein „allgemein bekanntes“ Problem im Sinne der Rechtssprechung zu sein – generiert von den mächtigen Medien. Einer der Gründe, warum Konzerne und NGOs „Spenden“ an die Presse überweisen? Sorgen bereitet jedoch etwas anderes: Je mehr Bildung und Disziplin zurückgehen … und je stärkerdie Qualität deutscher Produkte leidet … umso intensiver könnte Berlin künftig auf imperiale Rambo-Politik angewiesen sein, um wichtige Absatz-Märkte nicht zu verlieren. Viel mitzureden haben die Deutschen dabei ohnehin nicht mehr: Zwei Drittel der 850 Millionen Siemens-Aktien – und das ist bei den DAX-Konzernen keine Ausnahme – sind bereits in ausländischer Hand.

Q U E L L E N :

http://billys-reisen.de/?page_id=2914 – Prozess Six vs. Siemens (2020/21)

https://www.youtube.com/watch?v=28cVv2oTeao – Bundestagsabgeordneter Bystron im Gespräch (aufgezeichnet 01.02.2021, veröffentlicht 05.02.2021)

https://www.youtube.com/watch?v=SAIChRZDeIU – Hintergründe zur deutschen Einmischung unddem Haftfall Billy Six (17.11.2019)

https://www.tagesschau.de/ausland/venezuela-deutscher-botschafter-101.html – Tagesschau.de: „Venezuela weist deutschen Botschafter aus“ (06.03.2019, mittlerweile gelöscht)

https://kleineanfragen.de/bundestag/19/12226-hintergruende-der-befreiung-von-billy-six-aus-venezuela.txt – Antwort der Bundesregierung auf Kleine Anfrage Nr. 19/12226 (08.08.2019)

https://edge.media-server.com/mmc/p/mvd7yoiq/lan/de – Rede von Joe Kaeser vor der Hauptversammlung (HV, 05.02.2020)

https://www.bundestag.de/resource/blob/702292/4896c47af820eb19d0e8a62377686c0a/WD-1-006-20-pdf-data.pdf – Wissenschaftlicher Dienst des Deutschen Bundestags zum Marine-Einsatz gegen Venezuela (13.03.2020)

https://docplayer.org/185657849-Fragen-zu-deutschen-unternehmen-in-venezuela.html – Wissenschaftlicher Dienst des Deutschen Bundestags zu deutschen Firmen in Venezuela (20.03.2020)

https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/siemens-kommt-mit-milliardengewinn-durch-die-corona-krise-17048432.html – FAZ: „Siemens kommt mit Milliardengewinn durch die Krise“ (12.11.2020)

https://www.tagesschau.de/wirtschaft/siemens-starker-abschied-fuer-kaeser-101.html – Tagesschau.de: „China-Geschäft gibt Siemens Schub“ (22.01.2021)

https://www.tagesschau.de/wirtschaft/unternehmen/siemens-prognose-gewinn-kaeser-busch-101.html – Tagesschau.de: „Aktie auf Rekordhoch“ (03.02.2021)

https://assets.new.siemens.com/siemens/assets/api/uuid:4417dc50-fb51-4aa4-a008-811ccbf1eec1/siemens-unternehmenspraesentation.pdf – Siemens-Selbstdarstellung (HV, 03.02.2021)

https://assets.new.siemens.com/siemens/assets/api/uuid:786b2ce1-f20b-4f53-a128-881370ba8155/siemens-gb2020.pdf – Siemens-Geschäftsbericht (HV, 03.02.2021)

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