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US-“Chinook”-Heli notgelandet: Säbelrasseln gegen Putin fällt aus

5. Juni 2018
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LEIPZIG/DELITZSCH – Für diese Amerikaner fällt das Säbelrasseln vor Russlands Grenze, beim NATO-Manöver „Saber Strike“, leider aus: Beim massenhaften Transport von US-Truppen und -Kriegsget an die Ostfront musste ein doppelrotoriger Hubschrauber in Nordsachsen notlanden. Bundeswehr und Polizei schirmen die US-Army-Angehörigen bei der Reparatur vor der örtlichen Zivilbevölkerung ab. Der Landeplatz, ein Rapsfeld einer örtlichen Agrargesellschaft, wurde kurzerhand zum Militärischen Sicherheitsbereich erklärt.

Ein Rapsfeld bei Beerendorf wurde zum Militärischen Sicherheitsbereich erklärt.

Die vierköpfige Mannschaft vom 1. Luftschlachtbataillon („1st Air Combat Battalion“) Grafenwöhr, Militärflugplatz Katterbach (Bayern), war bereits am Montagmittag mit ihrem bis unters Dach beladenen Helikopter „Chinook“ CH-47 (Kennzeichen: 14-08462) zu dem internationalen Kriegsspiel nach Polen aufgebrochen, als Pilot Tucker Sulzberger gegen 12.45 Uhr in Höhe von Leipzig eine gefährlich ansteigende Öltemperatur am Antrieb des hinteren Rotors bemerkte, ohne, dass die Temperatur wieder sank. Die Mannschaft vermutete einen Getriebeschaden. „Für diesen Fall gibt es ein Notfallprotokoll, das besagt, so schnell wie möglich zu landen“, sagte der texanische Pilot der „Leipziger Volkszeitung“ (LVZ). Die elf Tonnen schwere, achtzehn Meter lange „Chinook“ scherte direkt aus dem Geschwader der anderen fünf baugleichen Maschinen aus und landete wenig sanft auf dem Feld östlich der Ortschaft Delitzsch-Beerendorf.

„Die Flugsicherung hat uns dann alarmiert, weil der Hubschrauber einfach vom Radar verschwunden war“, erklärte ein Polizeihauptkommissar unserem NuoViso-Redakteur am Einsatzort. Die Beamten seien auch sofort in die Ortslage Beerendorf ausgerückt um die Maschine zu suchen, noch auf der Anfahrt seien sie dann davon informiert worden, dass die Mannschaft gelandet und wohlauf sei.

Die Soldaten sicherten die Notlandestelle gemäß ihrer Militärvorschriften, fixierten zum Schutz des hinteren Getriebes auch die Rotoren, bis gegen 16 Uhr Feldjäger der Bundeswehr in Leipzig und der Unteroffiziersschule des Heeres in Delitzsch die Bewachung des Kriegsgeräts übernahmen – während die notgelandeten Army-Angehörigen den Landeplatz in unbekannte Richtung verließen. Am Dienstagmorgen um acht Uhr wurden die Feldjäger abgelöst, von einem Oberfeldwebel und sieben Soldaten der Reservistenunterstützungskompanie (RSU) Dresden, bewaffnet mit G36-Sturmgewehren. Alle Zufahrtswege zu der Landestelle wurden abgeriegelt. Der Offizier zu NuoViso: „Wir bewachen den Hubschrauber jetzt rund um die Uhr, so lange, bis er repariert ist und weiterfliegt.“

Wie lange dies dauern wird, ist aktuell unklar. Ein US-amerikanischer, uniformierter „Manouver Affairs Officer“, der sich NuoViso mit „Herr Lübke“ vorstellte, ging davon aus, dass die Instandsetzung des Getriebes bis zu

Ein Humvee wird umgeladen.

sechs Tage andauern könnte: „Gegenwärtig untersuchen wir immer noch die Ursache der Fehlfunktion.“

Mit einer zweiten CH-47 (Kennzeichen: 15-08175) landete am Nachmittag eine weitere Hubschraubercrew. Zusätzliche US-Soldaten aus Grafenwöhr wurden in einem blauen Kleinbus herangekarrt. Zusammen mit ihren eingeflogenen Kameraden begannen sie mit dem komplizierten Umladen eines voll beladenen, gepanzerten Humvee-Militärgeländewagens mitsamt vollbeladenem Anhänger, von der einen in die andere Maschine. Offenbar wird beim Säbelrasseln an Putins Grenze die Ladung des Humvees, dem Augenschein nach Klappstühle und -Tische sowie Waffen- und Munitionskisten, dringend benötigt. Als der Pilot der zweiten „Chinook“ die lärmenden Motoren startete, um per elektrisch betriebener Seilwinde den Anhänger an Bord ziehen zu können, zuckten zahlreiche, angereiste Schaulustige zusammen.

Dass Transportmaschinen wie diese in den Tagen zuvor dutzendfach über Ostdeutschland geflogen waren, zumeist nachts, wussten die wenigsten von ihnen.

Skeptisch beobachten Anwohner das Treiben

Skeptisch blickten sie auf die US-Soldaten. Verkäuferin Cindy Görner aus Bad Düben konnte sich das uniformierte Treiben bewaffneter Amerikaner in ihrer Nachbarschaft jedenfalls kaum erklären: „Mir hat einer erzählt, die wollten zu irgend einer Übung in Polen. Keine Ahnung, was die da machen.“ Ein grimmig die Krieger beobachtender, etwa 50-jähriger Radfahrer, der aber seinen Namen lieber nicht nennen wollte, sagte empört: „Das wissen doch Alle, was die Amis dort drüben machen! Die üben, wie sie die Russen überfallen können.“ Eine neben ihm stehende Rentnerin pflichtete dem Mann bei: Angesichts von Kriegsvorbereitungen gegen einen friedlichen EU-Nachbarn halte sich ihr „Mitleid mit den notgelandeten Soldaten eher in Grenzen“.

Während die achtköpfige Bundeswehrtruppe in einem einfachen, weißen Zelt verpflegt wird und untergebracht ist, scheinen die US-Soldaten nicht mit im Feld zu übernachten. Den deutschen Kameraden war auch am frühen Abend unklar, wie sie sich versorgen: „Mit uns reden die nicht darüber“, sagte ein deutscher Soldat. Mutmaßlich werden die Amerikaner in örtlichen Hotels übernachten – ihr Gepäck lag zum Abtransport an der Zufahrtsstraße zumindest schon einmal bereit. (Fotos: NuoViso/Fleischer)

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