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TAG 2: „Druschba“ in Kaliningrad – Zu Gast bei Freunden

8. August 2016
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route3 KALININGRAD – Gestern in Stettin angekommen, stand für unsere Friedensaktivisten die erste, längere Strecke an, in die knapp 500 Kilometer entfernte russische Enklave Kaliningrad. Dort wurden NuoViso-Reporter Daniel Seidel und seine Freunde sehr herzlich in Empfang genommen und zu ihrer Abendveranstaltung eskortiert. Der Konvoi wurde auf polnischem Terrain aber komplett von der Polizei überwacht – sehr diskret und überaus höflich gingen die Beamten dabei vor. Offenbar möchte sich die pro-USA-Regierung in Warschau keinen Faux-Pas auf internationaler Bühne leisten: Die „Druschba“-Tour wird in mehreren Ländern in den alternativen Medien sehr aufmerksam verfolgt.

Hier der Bericht unseres Reporters Daniel Seidel:

8.11 Uhr: Nach einer kurzen Nacht empfängt uns trübes Regenwetter beim Verlassen unseres Hostels „Cuma“. Verschlafen steuern wir den Parkplatz vor dem örtlichen Supermarkt an, der als heutiger Treffpunkt bestimmt wurde. 13978312_10205304549052247_1141410279_o8.43 Uhr: Als wir den Markt mit frisch eingekauftem Proviant verlassen, entdecken wir in diskreter Entfernung die erste Besatzung eines Polizeiwagens, die die Versammlung der Friedensaktivisten argwöhnisch verfolgt. 9.00 Uhr: Professor Rothfuß richtet sich mit einem Megafon an die Gruppe. Der Streckenverlauf für heute wird erörtert. 9.19 Uhr: Der Konvoi setzt sich mit leichter Verspätung in Bewegung. 484 Kilometer liegen bis Kaliningrad vor uns. Eine lange Fahrt, regnerisch und grau. Ich beschließe, auf der Rückbank einen Teil des Nachtschlafs nachzuholen.

13.08 Uhr: Inzwischen bin ich hellwach. Das Wetter ist immer noch nicht besser – und die Gegend entlang der tristen Landstraße auch nicht. Einzig ein qietschgelber Mähdrescher, der unseren Konvoi auseinander reißt, erhellt mein Blickfeld auf der schnurgeraden Straße. Noch 220 Kilometer bis zur Grenze nach Kaliningrad. Im Auto packen wir das Mittagessen aus: Es gibt kalte Pizza und Quarktaschen. Wir liegen nicht gut im Zeitplan – also wird beim Fahren gegessen.

13.20 Uhr: Die Sorge, von der polnischen Polizei angehalten und schikaniert zu werden, wächst: Aller paar Kilometer steht ein Polizeiwagen, in dem zwei Beamte mit strengen Blicken sitzen. Wir winken freundlich zurück.  Und werden nicht kontrolliert. Da unsere Gruppe im Konvoi mit Funkgeräten ausgestattet ist, würden wir sofort mitbekommen, wenn die Anderen Stress bekämen. Die Geräte bleiben allerdings still – jetzt geht es flüssig voran, wir haben freie Bahn.

13.55 Uhr: An einer Raststätte werden wir dann doch noch von polnischen Polizisten angesprochen: Freundlich erkundigen sich die vier Uniformierten, die interessanterweise in einem Zivilfahrzeug unterwegs sind, ob wir auch zu den Friedenstouristen gehören. Ab jetzt sind wir sicher, dass unser Konvoi von unauffälligen Polizeikräften begleitet wird – vielleicht haben sie sogar Sorge, dass allzu nationalpatriotische Polen uns die vielen Russland-Fähnchen an den Autos übel nehmen könnten. Die vielen Straßenhändler, die aller paar Kilometer Heidelbeeren, Honig oder Pilze verkaufen, machen mit uns allerdings kein Geschäft – wir haben es eilig.

13931579_10205304542372080_196499227_o15.09 bis 16.21 Uhr: Der Verkehr stockt. Wir erreichen die Stadt Preußisch-Stargard bei Danzig. Im Schritttempo geht es nun vorwärts – eine gute Gelegenheit, unsere „Raus-aus-der-NATO“-Flagge ausgiebig aus dem Autofenster zu schwenken. Den Zeitplan schaffen wir heute eh nicht mehr, einzuhalten: 40 Kilometer vor uns steht Owe Schattauer in seinem klimatisierten Mercedes bereits im nächsten Stau. Als wir dessen Ende erreichen, ist die Straße vor uns plötzlich frei.

 

 

13977932_10205304548412231_62736537_o17.10 Uhr: Ein wunderschöner Regenbogen empfängt uns in der Grenzregion, 30 Kilometer vor der russischen Grenze. Dort werden wir bevorzugt abgefertigt: Nach 30 Minuten haben unsere 48 Fahrzeuge die NATO-Grenze passiert.

18.20 Uhr: So eine tolle Überraschung! Russische Motorradfahrer, offenbar „Putins Rocker“ von den „Nachtwölfen“, holen uns an der Grenze ab, um uns nach Kaliningrad zu eskortieren. Hier treffen wir um

19.20 Uhr ein. Zum Empfang gibt es erst einmal russische Volksmusik. Auf einer Beamer-Leinwand werden uns Fernsehbeiträge aus dem russischen TV von unserem gestrigen Start in Berlin gezeigt.

 

13987337_10205304695055897_1579262401_o20.00 Uhr: Eine slawische Schönheit in meinem Alter führt mich zu einem Tisch in einem festlich geschmückten Dinner-Saal. Nach und nach trudeln jetzt die restlichen Friedens-Touristen ein.

20.30 Uhr: Meine Freunde und ich studieren immer noch die Speisekarte: Zur Auswahl stehen Schweinesteaks, Hähnchenbrust an getrockneten Tomaten, Skandinavischer Dorsch mit geräuchertem Speck – und natürlich auch Kaviar. Das Ganze auch noch zu Traumpreisen zwischen 2,50 und 8 Euro. Martin und ich bestellen Borschtsch, eine Gemüsesuppe. Serviert bekommen wir allerdings ein sehr lecker aussehendes Gericht mit Bratkartoffeln, geröstetem Speck und Salat – und das bringt mich zu zwei Erkenntnissen: 1.: Schmeckt auch gut, und 2.: An meinem Russisch muss ich noch arbeiten…

Morgen erwartet unseren Reporter eine 300-Kilometer-Tour nach Šiauliai, Litauen. Wir berichten.

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