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Schuld – Ein geniales Herrschafts-Konzept – und erfolgreich

3. August 2016
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Es gibt wohl kein zweites Herrschafts-Konzept in dieser Welt, das so alt, so weit verbreitet und so „erfolgreich“ ist, wie das Konzept „Schuld“. Ich will hier einmal skizzieren, warum dieses Konzept so erfolgreich ist im Sinne derer, die sich selbst als die Herrschenden sehen und von vielen auch als solche wahrgenommen werden: Aus meiner Sicht treffen sich hier nämlich Geopolitik und Individual-Psychologie, ganz nach dem hermetischen Grundsatz „Wie oben so unten, wie im Großen so im Kleinen“.

Einige Gedanken zur Zeit von unserem Neue Horizonte.TV-Moderator Götz Wittneben…

Schuld(en) und Geld, Religion und Finanzsystem

Die deutsche Sprache ist die einzige mir bekannte, die den Zusammenhang von Schuld und Schulden ausdrückt. Allerdings geht auch das englische Wort „guilt“ für Schuld auf das althochdeutsche „gilt“ für Geld zurück. Der Occupy-Begründer David Graeber macht in seinem Buch „Schulden – die ersten 5000 Jahre“ plausibel, dass unser Geld nicht, wie uns die Schule oder Universität gelehrt hat, aus dem Tauschhandel entstanden ist (um diesen zu erleichtern), sondern tatsächlich seinen Ursprung in der Begleichung einer Schuld aus einem Vergehen findet. Wenn also beispielsweise ein Tier durch das Verschulden eines anderen zu Tode gekommen war oder ein Mensch durch die Einwirkung eines anderen einen Arm verloren hatte, wurde dafür ein „Preis“ festgesetzt, den der Verursacher zu bezahlen hatte.

Mittlerweile wissen schon viele Menschen, wenn auch nicht alle, dass das gesamte Geldsystem auf Schulden basiert, das heißt, dass mit jedem Kredit, den eine Bank vergibt, Geld aus dem Nichts geschaffen wird und die Schulden der Welt stetig steigen und niemals, wirklich niemals zurückgezahlt werden können. Hier hülfe einzig ein weltweites „Erlassjahr“, das einen Schuldenschnitt für alle Nationen und Menschen vollzöge – glaubt der Gutgläubige. Lässt mensch aber weiterhin den Banken das Recht, aus dem Nichts Geld zu schöpfen, wäre ein Schuldenschnitt nur ein Atemholen. Das Schuld-Herrschafts-System bliebe im Wesen unangetastet.

In der sogenannten christlichen Religion gibt es den Begriff der „Erbsünde“, den selbst junge Teilnehmer des Katholikentages in Leipzig nicht infrage stellen. Allein durch die Geburt seien wir mit dieser „Sünde“ befleckt, die auf Adam und Evas Essen vom Baum der Erkenntnis von „Gut und Böse“ zurückgeht. „Sünde“ ist nicht nur nach „christlicher“ Auffassung ein Akt, mit dem ich mich ab-sondere, trenne von Gott. Die Priester alles Zeiten haben den Menschen suggeriert, dass dieser „Sund“, dieser Graben zwischen dem „Sünder“ und Gott, nur durch ein Opfer wieder überbrückt werden kann. Selbstredend kann ein solcher Gott nur ein strafender, zorniger, ja despotischer Gott sein. Je größer die „Sünde“, desto teurer das Opfer. Im Judentum galt das „Holocaustos“ (Griechisch: Ganzkörper-Verbrennungs-Opfer, holon= das Ganze, caustein=verbrennen) als das teuerste Opfer, weil das Tier völlig verbrannt wurde, ohne dass die Priester, wie etwa beim Speise- oder Trankopfer, etwas davon hatten. Die gesamte Macht aller Priester geht auf diese Vorstellung zurück, dass nur sie dazu in der Lage sind, den zornigen Gott wieder zu besänftigen.

Jesus von Nazareth hat durch sein Wirken das gesamte Priester-Establishment der Lüge überführt, weil sie die Menschen mit der Vorstellung beherrschten, es gäbe da einen Raum außerhalb der Liebe Gottes. Wegen dieses Frontalangriffs auf die Hierarchie (Griechisch=Herrschaft der Priester) wurde er ans Kreuz genagelt. Dass er „für unsere Sünden gestorben“ sei, dieses grausame Fundament aller sogenannten christlichen Religionen, geht in erster Linie auf Paulus zurück. Er hat den Sünden(Ziegen)bock „Asaêl“, dem am „Jom Kippur“, dem „Versöhnungstag“ der Juden, die „ganze Sünde Israels“ auf die Schulter gelegt und der anschließend in die Wüste in einen Abgrund gejagt wurde, zum „Lamm Gottes, der die Sünde der Welt trägt“ gemacht. Auf diese Weise hat er die Botschaft Jesu vom All-Liebenden, barmherzigen Gott, aus dessen Liebe niemand herausfallen kann, auf den Kopf gestellt und hintenrum den zornigen und strafenden Gott wieder eingeführt. Den Herrschenden war das nur Recht, so hält man die Menschen klein, wenn sie sich, wie noch heute in der katholischen Messe, an die Brust schlagen und „Mea culpa, mea culpa, mea maxima culpa“, „Meine Schuld, meine Schuld, meine sehr große Schuld“ rufen.

Wenn Sie, werter Leser glauben, damit nichts zu tun zu haben, weil Sie nie Mitglied einer Kirche waren und eh nicht an Gott glauben, dann haben Sie sich getäuscht. Diese Vorstellungen haben sich über hunderte von Generationen in das Kollektive Gedächtnis der Menschheit eingebrannt und wir werden davon in unserem Denken beeinflusst, ob wir es wollen oder nicht.

Wenn wir nun die globale Staatsverschuldung anschauen, erkennen wir, dass die Schulden durch Zins und Zinseszins stetig steigen ohne Chance auf Rückzahlung. Ein neuer Erdenbürger wird also in diese Schuldenlast hineingeboren, die die Vorgenerationen aufgebaut haben, sein Leben wird durch die Vergabe einer Steuer-ID quasi gleich von Geburt an verpfändet. Das ist „Erbsünde“ 2.0, an die Stelle Gottes sind jetzt die Banken und deren im Dunkel liegenden Eigentümer getreten.

Neue Schuldig-Sprecher im Rahmen einer „Grünen Religion“

In unserer Gesellschaft verlieren die Kirchen Schritt für Schritt ihre Bedeutung im Leben der Menschen, zum Teil werden sie regelrecht demontiert durch gezielte Kampagnen. Ob sie auch ihre Macht verlieren, sei gerade im Hinblick auf die globale Rolle des Vatikans und des allgegenwärtigen Römischen Rechts (Großschreibung des Vor- und Familiennamens in Ausweisen bedeutet im Römischen Recht: Sklave ohne Bürgerrechte; vergl. Unser Interview „Ewige Entrechtung? – Reset jetzt!“) dahingestellt. An die Stelle der Priester sind im Laufe der letzten Jahrzehnte Wissenschaftler und Politiker getreten mit der Propagierung eines neuen „Sündenfalls“: dem Klimawandel, der menschlichen Ursprungs sei. Dass die Erdgeschichte aus einem Wechsel von langen Eiszeiten und bis zu zehn mal kürzeren Warmzeiten besteht, wird einfach ignoriert. Ebenso die Tatsache, dass der Anstieg von CO2 immer die Folge der Erwärmung der Weltmeere war, nie dessen Ursache, weil sich das Gas bei Erwärmung löst, wie mensch beim Sprudelwasser wunderbar nachzuvollziehen ist (In Bälde werden wir ein Interview mit dem Klimatologen Prof. em. Dr. Werner Kirstein „Klimaschutz – Die neue Religion?“ veröffentlichen). Im Biologie-Unterricht wurde mir noch beigebracht, dass CO2 -geflutete Gewächshäuser deutlich höheren Pflanzenertrag bringen. Eine weltweite Reduktion dieses elementaren Pflanzennährstoffes verträgt sich nicht mit einer stetig wachsenden Weltbevölkerung. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt!

Das Konzept bleibt das gleiche: Der Mensch ist schuldig – wenn mensch die Botschaft des „klimaschädlichen“ Gases CO2 zu ende denkt, dann ist jeder Mensch allein dadurch, dass er nun einmal CO2 ausatmen muss, per se ein „Schädling“, er ist schuld am Klimawandel, nur weil er lebt. Perfider geht’s nicht. Aber wie es im Mittelalter den von Luther attackierten Ablass gab, so haben die neuen Priester auch heute etwas anzubieten: Öko-Steuern und beträchtliche Eingriffe in die Freiheit der Menschen, wie zum Beispiel das Verbot von Glühlampen. Schizophren bis zum Abwinken sind immer die gleichen Botschaften: Konsumiere, konsumiere, aber tue es mit einem unendlich schlechten Gewissen, von dem wir dich bis zu einem gewissen Grad befreien, wenn du die Opfer-Rituale unserer neuen globalen Religion befolgst!

Da man es – ganz im Einklang mit der NATO-Doktrin des „Keep Germany down“ – geschafft hat, Deutschland als die mit Abstand schuldigste Nation darzustellen, sind wir Deutschen wohl auch die eifrigsten Anhänger dieser neuen Klimareligion.

Warum ist dieses Herrschafts-Konzept so erfolgreich?

Meine durch jahrelange Feldforschung untermauerte These lautet: Schuld als Herrschafts-Konzept ist deswegen so erfolgreich, weil wir uns als Kinder unbewusst durch die Vorstellung von Schuld geschützt haben. Schon sehr lange ist bekannt, dass alle missbrauchten Kinder die Schuld auf sich genommen haben. Durch tausende Gespräche habe ich herausgefunden, dass dieses Phänomen bei traumatisierten Kindern vorherrschend ist. Im Walt-Disney-Klassiker „König der Löwen“ sagt der Onkel Scar zum um den Vater trauernden Simba: „Wenn du nicht gewesen wärest, dann wäre der König noch am Leben“. Bei diesem Satz zücken die meisten Zuschauer das Taschentuch, m.E. nicht nur weil es grausam und böse ist, was Scar damit macht, sondern weil die meisten sich selbst wiedererkennen. Scar ist, psychologisch gesprochen, die personifizierte Innere Stimme des Kindes nach einem schmerzhaften Trennungstrauma: „Ich bin schuld, ich bin nichts wert!“ ist der Deckel, der auf den Schmerz gelegt wird und so dem Kind kurioserweise das emotionale Überleben sichert. Als Kind von der Mutter/der Familie getrennt zu sein, bedeutete menschheitsgeschichtlich gesehen das Todesurteil, getrennt kann kein Kind überleben.

Seien es Krankenhausaufenthalte als Kleinkind, sei es die Kinderkrippe mit wenigen Monaten, der Tod eines Familienmitglieds, die Trennung der Eltern oder im Extremfall Adoption – der Mechanismus scheint bei allen der gleiche zu sein. Die Vorstellung schuldig und wertlos zu sein entpuppt sich als unbewusste Überlebensstrategie des Kindes und mit diesen Glaubenssätzen kreiert es noch als Erwachsener seine Realität. Erst kürzlich traf ich einen 48jährigen, der mit zwei Monaten adoptiert worden war, weil seine leibliche Mutter sonst für immer aus der Familie gestoßen worden wäre. Er bestätigte mir, dass dieses Gefühl der Wertlosigkeit sein ganzes bisheriges Leben bestimmt habe und er habe nicht gewusst, dass es sich dabei nur um seine Überlebensstrategie gehandelt habe, also eine Illusion, aber mit weitreichenden Folgen.

Solange also ein Mensch sich unbewusst schuldig spricht, bietet er einen hervorragenden Resonanzkörper für die globalen Schuldigsprecher. Erkennt ein Mensch, dass diese Vorstellung lediglich eine unbewusste, kindliche Überlebensstrategie ist, kann er sich auf den unterschiedlichsten Wegen von diesen alten Glaubensmustern dankbar verabschieden und ist frei. Und ein freier Mensch übernimmt Verantwortung für sein Handeln, aber lässt sich von niemandem mehr Schuld einreden oder aufladen. Um auf Simba zurückzukommen: Simba verleugnet sein Wesen als fleischfressender Löwe, indem er sich bei Timo und Pumba von Insekten und Würmern ernährt. Erst als er als junger Erwachsener erkennt, dass seine „Schuld“ am Tod des Vaters eine Illusion war, tritt er sein Königtum an.

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