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Mit Blaulicht-Eskorte zum Brandenburger Tor: Staatsgäste in ‚Friedenspanzern‘

22. August 2016
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14114532_10205382653164801_1606784651_oBERLIN – Gänsehaut pur bei der feierlichen Einfahrt unserer Friedensfahrer in die deutsche Bundeshauptstadt: Bis zum Brandenburger Tor eskortierte die Berliner Polizei den „Druschba“-Konvoi mit Blaulicht und Sirene – wie Staatsgäste wurden die „Friedenspanzer“ im Stadtzentrum von den Menschenmassen entlang der Straßen gefeiert! Anlass für NuoViso-Reporter Daniel Seidel, ganz persönlich auf eines der größten Abenteuer seines 22-jährigen Lebens zurück zu blicken. Doch wie geht es nun mit der neu entstandenen Friedensbewegung weiter?

 

Tag 15: Martin und ich verlassen nach dem Ausschlafen um 10.30 Uhr die polnische Hauptstadt Warschau und fahren ein letztes Mal los Richtung Westen. Bereits zum dritten Mal seit der Rückfahrt von Moskau ist es wieder der Transporter von Eingeschenkt.tv, der uns als erstes „Druschba“-Fahrzeug begegnet. Fünf Mautstellen und knapp 500 Kilometer weiter erreichen wir um 15 Uhr die erste deutsche Raststätte hinter der deutsch-polnischen Grenze. Dort treffen wir zwei mit Losungen, Herzen und Aufklebern versehene Wohnmobile, die wir inzwischen „Friedenspanzer“ nennen – und die uns freudig empfangen, um uns mit der Kolonne nach Berlin zu begleiten. Die „Panzerfahrer“ leihen uns ihre Stiftesammlung, mit der wir dann unser Auto noch mal schön beschriften. „Frieden und Freundschaft“, „Weigert euch, Feinde zu sein!“, „nuoviso.tv“…

14111951_10205382653004797_456238809_nSpäter treffen wir 4 von 5 Fahrzeugen der Kolonnengruppe „G“, der wir ja eigentlich auch angehören. Da sonst keine weiteren Fahrzeuge da sind, fahren wir mit den „Friedenspanzern“ nach Berlin. Im Südosten von Berlin halten wir um 16.30 Uhr an einem Baumarkt-Parkplatz, der uns als Sammelpunkt durchgegeben wurde. Dort stehen bereits viele Friedensfahrzeuge aber auch mehrere Polizei-Motorräder, die sich für die Einfahrt in die Bundeshauptstadt bereit machen. Diese geht auch schon eine halbe Stunde später los. Die Polizei sperrt extra für unsere Kolonne bis zum Brandenburger Tor die Straße, sodass wir staufrei, geschlossen und Aufmerksamkeit erregend durch die Stadt kommen. Sehr dankbar bin ich der reiselustigen Familie Volgmann aus Köln, bei denen ich auf der letzten Etappe in ihrem riesigen gelben Druschba-Friedenspanzer mitfahren darf. Ganz vorne, im ersten Fahrzeug. Und um schöne Aufnahmen zu bekommen, darf ich auch noch ganz oben aus dem Dachfenster herausblicken.

Die Kollegen von Eingeschenkt.tv fahren ein paar Fahrzeuge weiter hinter uns – ihr Video der Polizeieskorte, nicht schlechter als bei einem Staatsempfang, findet sich  ►► HIER

Einer der schönsten Momente meines Lebens. Berlin. In etwa vier Meter Höhe blicke ich direkt auf eine leere dreispurige Straße, die extra für uns an den Kreuzungen von Polizeiwagen mit Blaulicht abgesperrt wird. Ich rolle in die Stadt ein, und von beiden Straßenseiten blicken nahezu alle Passanten auf der Straße neugierig Richtung Kolonne. Zuerst immer auf den auffälligen „Friedenspanzer“. Wenn ich in die Mengen winke, winken immer wieder Menschen lächelnd zurück. Für mich fühlt es sich oben auf dem Panzerdach an, als würde ich fliegen. Ein Traum, mit besten Blick auf Fernsehturm, Brandenburger Tor, Bundestag und Siegessäule, bei dramatischer Wolkenkulisse und Sonnenstrahlen. Und endlich schafft die Kolonne auch mal ein richtiges Hupkonzert! Um etwa 18 Uhr kommen wir am Brandenburger Tor an, wo wir mit Applaus, Jubeln und einem großen „Welcome Back“-Banner von einer Menge Unterstützern feierlich empfangen werden. Auf der Bühne musiziert und moderiert Marcel Wojna von „Die Bandbreite“. Die Teilnehmer werden dazu aufgerufen auf die Bühne zu kommen, um von der abenteuerlichen Reise ihre schönsten Mom14060480_10205382652364781_507609143_oente zu erzählen. Viele schöne Erinnerungen kommen dabei wieder hoch. Zwischendurch setzt der Regen ein, der sich bereits eine Stunde zuvor mit dunklen Wolken angekündigt hat.

Die Friedensfahrer werten dies, wie bereits bei der Ankunft am Roten Platz in Moskau, als „gutes Zeichen“. Gemeinsam singen die Teilnehmer nun „Freude schöner Götterfunken“, danach „Die Gedanken sind frei“ – mehrstimmig! Es gibt Musik von Germaid, Photon und Andreas Petrick auf die Ohren. Die Friedensfahrer lachen, tanzen, liegen sich in den Armen. Ich freue mich mit ihnen: Endlich haben wir es geschafft!

Als das Brandenburger Tor ins orangefarbene Licht der untergehenden Sonne getaucht wird und Andreas Petrick mir den letzten Schuss Gänsehaut verleiht, in dem er den Platz des 18. März mit einem „Wind of Change“ beschallt, verlassen Martin und ich nach vielen herzlichen Verabschiedungen die Veranstaltung. Wir machen uns auf den Weg zurück in Richtung der NuoViso-Redaktion in Leipzig, wo wir erschöpft, aber nach zwei Wochen und etwa 14059989_10205382652444783_2023405605_o4.600 Kilometern Fahrt durch halb Europa wieder heil ankommen. Eine fantastische Reise, mit einmaligen, beeindruckenden, nervenzerreißenden und berührenden Momenten, findet ihr Ende. Ich habe in den zwei Wochen viele neue Freunde gewonnen, alte Freunde besser kennengelernt. Bin mit der osteuropäischen, der russischen Kultur, dem Leben in Russland in Berührung gekommen. Habe ergreifende Geschichten gehört und beeindruckende Architektur ins Auge gefasst. Selbst kyrillische Schrift kann ich inzwischen entziffern. Wir haben gemeinsam gegessen, getanzt, gelacht und geweint. Trotz aller verlustreichen Kriege, die zwischen Deutschland und Russland geschehen sind – wenn es nach mir geht, haben einander längst verziehen. Und darüber hinaus haben wir einen Beitrag geleistet, die Völkerfreundschaft zwischen Deutschland und Russland zu fördern. Auf dass nie mehr zwischen den beiden Ländern Krieg ausbricht und das Europa und die ganze Welt eines Tages den ersten Weltfrieden erlebt. Frieden und Freundschaft – Mir i Druschba!

14123616_10205382652564786_1841396197_oWie aber soll es mit „Druschba“ nun weiter gehen? „Nochmal als Feuerwehr werden wir wohl nicht fahren“, erklärte Tour-Initiator Rainer Rothfuß heute im exklusiven NuoViso-Interview. Wie er, der promovierte Geopolitik-Analyst, die politische Wirkung der Tour einschätzt, was die Westpropaganda daraus macht, und wie es nun doch noch weiter geht: Das alles erfahren Sie im NuoViso-Talk mit Dr. Rothfuß – auf nuoviso.tv!

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