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Mark Bartalmai: Auf dem Bürgeramt in Moskau

17. Juni 2016
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13413581_1721317368137104_6183636802497526666_n von Mark Bartalmai

Die Zustände in Russland verschlechtern sich zusehends. In einem der letzten Posts hatte ich vom Bürgeramt gesprochen, das angeblich montags – samstags bis 20.00 geöffnet ist. Das ist nicht korrekt. Die armen Beamten müssen dort montags – sonntags bis 20.00 Uhr arbeiten.

Schlimm ist vor allem, dass sie dabei massiven Repressalien ausgesetzt sind (siehe Fotos):

1. Sie müssen in einem für sie fürchterlichen Umfeld mit modernster Ausstattung arbeiten. Die Räume sind schick und praktisch eingerichtet, was natürlich der „barbarischen, archaischen“ russischen Mentalität widerspricht, die gern in Armut und Alkoholexzessen lebt.

13466497_1721317498137091_1798759917875975173_n2. Sie sind während ihrer Arbeit der Willkür der Bürger ausgesetzt, die direkt am Schalter die Möglichkeit haben, die Arbeit des Beamten per Knopfdruck mit 🙂 oder 🙁 zu bewerten. Die Ergebnisse werden personalisiert abgespeichert, aber permanent anonymisiert veröffentlicht.

3. Sie müssen scheinbar massivste Folter erdulden, um permanent sehr freundlich zu sein, auch in komplizierteren Fällen, die 2,5 h in Anspruch nehmen. Die Bestechlichkeit durch Lächeln und Freundlichkeit durch Bürger ist extrem hoch. Gesetze werden dann zu Gunsten der Bürger ausgelegt und Strafen nur im minimal nötigen Umfang ausgesprochen, wenn sie absolut unvermeidbar sind. Manche Mitarbeiter werden wohl so unter Druck gesetzt, dass sie sehr hohen persönlichen Einsatz bei der Klärung schwieriger Fälle zeigen.

4. Die Sanktionen treffen Russland extrem hart. Mittlerweile muss man für Kaffee in allen Geschäften sogar Geld bezahlen, obwohl das keiner hat, weil es alles in die Panamataschen von anderen Leuten fließt. Arme Russen rauben gewaltsam in Frankreich sogar schon friedlichen englischen Touristen ihre Tasse Kaffee. Wenn man im Bürgeramt länger als 15 min auf seinen Berater warten muss, bekommt man eine Tasse Kaffee umsonst. Wahrscheinlich müssen das die armen Beamten bezahlen.

13407224_1721317404803767_5370279568932814796_nAlles in allem schreckliche Zustände, die ich mit versteckter Kamera dokumentieren konnte, obwohl man für sowas sofort an der Kremlmauer erschossen wird und dann ins Gulag nach Sibirien kommt. Lebenslänglich!

Ich denke, das sind Zustände, um die sich BeamtenRightsWatch, Beamtnesty International und überhaupt der Beamtenrechtsgerichtshof in Den Haag, die OSZB und die Beamtenschutzsondereinheit der NABO kümmern sollte.

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