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Angriff auf BVB: Islamisten, Antifa oder rechter Terror unter falscher Flagge?

12. April 2017
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Nur wenige Minuten nach dem Anschlag auf den BVB Team-Bus stand der Nachhole-Termin für das Champions-League Spiel zwischen Dortmund und  Monaco bereits fest: 22 Stunden räumte man den Spielern ein, um sich von dem Schock zu erholen. Dann ist wieder Anpfiff!

Kommentar von Frank Höfer

Terroranschläge sind Alltag geworden. Jede Woche erstrahlt das Brandenburger Tor in anderen Farben – als Solidaritätsbekundung. Doch nun hat es die Deutschen im Herz ihres Allerheiligsten getroffen. Den Fussball!

Der Anschlag auf den Team-Bus von Borussia Dortmund wirft viele Fragen auf. Vor allem: Wer waren die Täter, was das Motiv? Am Tatort wurde ein Bekennerschreiben gefunden, welches sich „im Namen Allahs, des Gnädigen, des Barmherzigen“ – also rhetorisch klar unter islamistischer Flagge – zu dem Anschlag bekennt. Auch eher für den IS unüblich wurden in dem Bekennerschreiben Forderungen gestellt: Zum einen müssten „Tornados“ aus Syrien abgezogen werden. Zum anderen solle die US-Basis im rheinland-pfälzischen Ramstein geschlossen werden.

Das könnte glatt eine Forderung unserer NuoViso-Redaktion sein. Wir distanzieren uns aber an dieser Stelle ganz klar von dem Anschlag! Wir haben nichts damit zu tun!

Im Internet tauchte noch am Abend der 3 Explosionen ein zweites Bekennerschreiben auf – diesmal unter antifaschistischer Flagge. Dort heißt es:

Wir haben heute den Bus des BVB mit eigens hierfür angefertigten Sprengsätzen attackiert. Der Bus ist hierbei ein Symbol für die Politik des BVB, die sich nicht genügend gegen Rassist_innen, Nazi_nnen und Rechtspopulist_innen einsetzt. Im Gegenteil dürfen seit Jahren auch Mensch_innen mit einer menschenverachtenden Gesinnung ins Stadion, anstatt lokale Antifaschist_innen zu Rate zu ziehen, um solches Gedankengut aus dem Stadion zu verbannen… Der Bus war hierbei nur ein Symbol und keinesfalls waren die Spieler_innen Ziel dieser symbolischen Tat, jedoch auch sie taten in der Vergangenheit zu wenig für eine antifaschistische Stadionszene.

Dieses Bekennerschreiben wurde kurze Zeit später wieder von der Seite INDYMEDIA gelöscht und man distanzierte sich. Kein Grund für die Massenmedien diesen Ermittlungsverdacht trotzdem erstmal überall rauszublasen. „Kräftig Öl ins Feuer gießen“ nennt man das wohl. Denn auf Facebook wird die Antifa schon fleißig als Täter verkündet. Ein Hinterfragen, ob man als antifaschistischer Terrorist tatsächlich eine voll durchgegenderte Rhetorik verwenden würde, findet nicht statt. Obwohl hierin bereits ein deutlicher Hinweis auf einen gepflanzten Dummbeweis besteht. Auf Facebook gibt es trotzdem hitzige Diskussionen darüber. Eignet sich doch derjenige, welcher sich am Ende als Täter herausstellt, wunderbar für Stimmungsmache in eigener Sache.

Doch auch das am Tatort gefundene Bekennerschreiben ist ebenso wenig glaubwürdig, wie das eines vermeintlichen Antifa-Anhängers. Die Frage, ob nun islamistisch oder antifaschistisch, sollte eigentlich jedem Ermittler und auch jedem einigermaßen logisch denkenden Journalisten auf die Idee kommen lassen, dass es sich womöglich um eine Tat unter falscher Flagge handelt. Was die Geheimdienste seit Jahrzehnten praktizieren könnte nun auch Vorbild für Drittbrettfahrer gewesen sein.

Doch warten wir die Fakten ab, bevor wir uns in Schuldzuweisungen verlieren und uns gegenseitig verbal massakrieren.  Denn bis zur vollständigen Aufklärung eignet sich dieser Angriff auf die Fussballnation Deutschland wunderbar für weiteres Spaltpotential. Jeder beschuldigt jeden. Fakten spielen kaum noch eine Rolle. Den Vogel hat bereits der FOCUS abgeschossen, in dem er die Täter geistig in die Nähe des COMPACT-Magazins rückte ohne dabei auch nur ein Indiz für eine Verbindung zu belegen. Journalistisch als auch kriminaltechnisch ein absolutes Fehlverhalten einer der mächtigsten Redaktionen Deutschlands. Fehlt nur noch, dass der Berliner Stadtrat auf die Idee kommt, das Brandenburger Tor in den Farben des BVB anzustrahlen – wogegen dann wiederum Hertha-Fans lautstark protestieren können.

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