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Der Großstadtimker

9. November 2009
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– Frank Höfer –
Für einen Film über das Bienensterben bin ich verabredet mit Thomas Handschuh. „Unter der Weltzeituhr“ treffen wir uns. Man ist sich symphatisch.Thomas ist Imker inmitten der Berliner Großstadt. Er kommt aus dem Rock’n Roll Business, doch da hat sich auch alles verändert, sagt er. Jetzt kümmert er sich um seine Bienchen. Sollen doch die Jüngeren die Kisten schieben.

Ganz unkonventionell interviewe ich ihn bei einem Spaziergang durch Berlin. Warum er in der Großstadt imkert, frage ich ihn. Weil er in der Großstadt keine Probleme mit Pestiziden hat, antwortet er.

Thomas ist nicht mein erster Interviewpartner zum Thema „Bienensterben“. In letzter Zeit gab es auch viele Öffentliche Diskussionen um das Thema. Die Fakten liegen nämlich nun auf dem Tisch. Clothianidin, eingesetzt in der von BAYER vertriebenen Saatgut-Beize in der Mais – und Rapsausaat, wurde nun in den toten Bienen nachgewießen. Damit können die von den Konzernen bezahlten Forscher nicht länger behaupten, es wäre der allbekannte Milbenbefall „Varroa“ alleinig verantwortlich.

Ob das Ausbringen von vergifteten Saatgut wirklich sinnvoll ist, darüber möge sich bitte jeder seine eigenen Gedanken machen. Aber wie jetzt faktisch bewiesen, tötet dieses Zeug die Bienen.

Ok, dann gibts halt kein Honig mehr. „What’s the big deal?“ Das hatte ich mich damals gefragt, als ich begann mich mit dem Thema zu beschäftigen. Bereits bei den ersten Drehterminen wurde mir bewußt, dass es nicht nur um den Honig geht.

Die verantwortlichen Chemiekonzerne sind sich dessen bewußt, dass sie die Umwelt zerstören. Aber überall wo es Probleme gibt, kann man viel Geld damit verdienen neue Chemie als Heiland im nächsten Jahr zu verkaufen. Mehr noch, die Zunahme an Allergien und den daraus resultierenden Pharmaproduktverkäufen, steigert ihren Gewinn ebenfalls. Warum sollte also BAYER oder MONSANTO die Strategie ändern?

Konzerne orientieren sich an Zahlen und nicht an der Moral. Sie sind ihren Aktionären verpflichtet und sonst niemanden. Da sich nun die breite Masse nicht dagegen auflehnt und es schweigend akzeptiert und somit unterstützt, haben wir nun die Situation, dass unsere Umwelt so stark vergiftet ist, dass die Bienen sterben. Jeder der etwas aufmerksam durch die Natur geht, wird feststellen, dass es erstaunlich ruhig geworden ist.Damit die Biene aber zumindest in der Stadt überlebt, bemüht sich Thomas Handschuh nun um Nachwuchs. Auf dem Tempelhofer Flugfeld, will er nach der Einstellung des künstlichen Flugbetriebes im Oktober, den natürlich Flugbetrieb wieder herstellen. Er möchte einen großen Bienenstand errichten und sein Imkerwissen weitergeben. Dazu läd er recht herzlich jeden ein, der Interesse hat die Natur zu retten.

Jeder kann sich ein zwei Bienenstöcke halten. Es macht Spaß, ist in der freien Natur und wirft sogar noch etwas ab. Nämlich nütztliches Wachs und leckeren Honig. Da hat er später etwas zum tauschen, wenn erstmal der Finanzcrash kommt, scherzt er.

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