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TAG 1: „Druschba“- Konvoi startet am Brandenburger Tor

7. August 2016
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 ^26EDFE4381077F2BCFBE17E90DFC46A09093936C096509637E^pimgpsh_fullsize_distrBERLIN – Großer Andrang am Brandenburger Tor: Zur Kundgebung und Verabschiedung unserer 235 Friedensfahrer kamen etwa 1000 Interessierte auf den Platz des 18. März. Von den Mainstream-Medien waren allerdings nur wenige anzutreffen. Dafür berichteten mindestens drei russische Fernsehsender ausführlich über den Auftakt der „Druschba“-Tour. Der Start in Richtung Osten klappte allerdings nicht ganz so reibungslos wie verabredet.

– Von Norbert Fleischer –

Tour-Initiator Rainer Rotfuß instruierte die Teilnehmer in den 48 Fahrzeugen extra en detail: „Wir bilden zwölf Gruppen. Führungs- und Schlussfahrzeug jeder Kolonnengruppe erhalten Funkgeräte, mit denen wir in Kontakt bleiben, falls unterwegs etwas passiert.“ Zum Start sollten sich die exakt durch nummerierten Fahrzeuge vor dem Sowjetischen Ehrendenkmal entlang der Straße des 17. Juni aufreihen – das klappte, mit einigen Anlaufschwierigkeiten. Doch schon kurz nach 18.30 Uhr, der „Druschba“-Konvoi war gerade erst los gefahren, fuhr die Kolonne schon nicht mehr in einem Stück. NuoViso-Reporter Daniel Seidel meldete unserer Redaktion um 19.33 Uhr: „Wir sind jetzt in Prenzlauer Berg. Der Konvoi hat sich scheinbar ziemlich zerstreut. Wir verlassen jetzt Berlin und versuchen mit drei Autos, die Anderen einzuholen.“ Die befanden sich zum Teil schon längst auf der Autobahn in Richtung Ostsee, teils aber noch in der Hauptstadt verteilt. Da halfen auch die ausgeteilten Funkgeräte nicht viel.

„Wir trafen uns dann erst alle an der ersten Tankstelle nach der polnischen Grenze wieder“, berichtet Daniel. Dort wurden die Rallyeisten auf ihre Übernachtungsplätze verwiesen. Verteilt auf Campingplätze, Hostels oder in Wohnmobilen übernachten die Friedensfahrer in Stettin. Daniel schläft im 6-Euro-Hostel, zusammen mit drei anderen Männern.

20160807_160652Sergey Filbert, Betreiber der bekannten russischsprachigen Infoplattform „Голос Германии“, blickt mit gemischten Gefühlen auf die nun kommenden Streckenabschnitte: „Was die russische Grenze betrifft, mache ich mir keine Sorgen. Die Russen haben angekündigt, dass sie für unseren Konvoi extra einen Korridor frei halten, damit wir zügig rüber kommen. Aber an den Grenzen zu Litauen und Estland könnte es vielleicht Schikanen der Behörden geben.“ Der Russland-freundliche Trek dürfte in Osteuropa, wo sich die „Speerspitze“ der NATO gegen angebliche „russische Aggression“ versammelt hat, nicht gerade mit Wohlwollen erwartet werden.

Um 9 Uhr geht es morgen für alle weiter. Nächste Etappe: das russische Kaliningrad. „An der Grenze zu der russischen Stadt müssen wir dann die ersten Zolldokumente“ abgeben, „freut“ sich Daniel. Abends gibt es ein Freundschaftskonzert russischer Friedensfreunde – Mit-Organisator Owe Schattauer will dort selbst auftreten. Wir berichten.

 

Eingangstext:

Diesen Sonntag um 15 Uhr geht es los: Vom Brandenburger Tor in Berlin aus starten 235 Rallye-Teilnehmer zu einer vierzehntägigen Friedensfahrt und zurück. Auch NuoViso begleitet die „Druschba“-Tour der 48 Fahrzeuge als Medienpartner – und berichtet vom 7. bis zum 21. August 2016 täglich darüber auf www.nuoviso.tv.

Wenn die freischaffende Künstlerin Christine Seibel aus Alzey morgens ihr Atelier betritt, hat sie oft Sorgenfalten auf der Stirn: Die Rheinland-Pfälzerin wohnt keine 60 Kilometer von der Ramstein Air Base entfernt. Jenem US-Luftwaffenstützpunkt, der im Falle eines Nuklearkrieges mit Russland erstes Angriffsziel russischer Atomraketen wäre (NuoViso berichtete). So kam die Künstlerin auf einen ambitionierten Plan – und wenn alles gut geht, gehört ab Mitte des Monats Russlands Präsident Wladimir Putin höchstselbst zu ihrem erlesenen Kundenkreis.

„Druschba“ – das ist das russische Wort für Freundschaft. Besonders die Völkerfreundschaft zwischen Deutschland und Russland liegt den Organisatoren sehr am Herzen: Rainer Rothfuß, Ex-Professor für politische Geographie an der Uni Tübingen und Bauunternehmer und Musiker Owe Schattauer hatten die Idee im Februar dieses Jahres ins Leben gerufen. Der Plan: eine Friedensfahrt von Berlin nach Moskau.

Insgesamt 235 „Friedensfahrer“ touren im Auto, im Bus, im Wohnmobil oder auf Motorrädern öffentlichkeitswirksam über Stettin, Kaliningrad und St. Petersburg nach Moskau – und Smolensk, Minsk und Warschau wieder zurück.

Die Teilnehmer kommen aus Deutschland, Österreich, Schweiz, Frankreich, Israel und sogar aus den USA – und könnten unterschiedlicher nicht sein: Vom Grundschüler oder Arbeitslosen, über den Studenten und IT-Experten, bis hin zum Sozialarbeiter und Unternehmensberater ist alles dabei. Der Jüngste ist 9, der Älteste 80 Jahre alt. Übernachtet wird bei Gastfamilien, in Hotels oder auf spartanischen Campingplätzen.

Organisator Rainer Rothfuß (CSU): „Man sieht deutlich, Frieden mit Russland ist für sehr viele Menschen ein Herzensanliegen. Und genau dafür steht die Friedensfahrt.“ Das Interesse an dem Projekt sei überwältigend gewesen. Auch bei Künstlerin Christine Seibel: „Gerade russische Künstler haben sich oft für den Frieden engagiert. Da ich nicht mitfahren kann, ist das Ölgemälde mein Beitrag zu dieser Friedensfahrt.“ Zu sehen ist eine rheinhessische Hügellandschaft – goldene Weizenfelder und pralle Weinreben, um die die Künstlerin bangt: „Wir wollen alle, das unsere Heimat erhalten bleibt. Dafür ist Frieden die grundlegende Voraussetzung.“ Doch gerade die offiziellen Freunde der EU hätten traditionell keinen Frieden im Sinn, so Geopolitik-Analyst Rainer Rothfuß: „Die Transatlantiker haben ein Interesse daran, dass es ständige Konflikte zwischen Deutschland und Russland gibt, die dafür sorgen, dass die beiden Machtzentren Europas nicht zusammen wachsen und in Frieden leben können.“

Die Organisatoren sehen ihre Friedensfahrt deshalb weder als touristische Rundreise, noch als eine Tour mit rein symbolischem Charakter. Vor allem die Menschen in Osteuropas sind es, denen die Teilnehmer in Freundschaft die Hände reichen wollen. An verschiedenen Stationen sind Kundgebungen, Konzerte, Vorträge und Feste geplant. Selbst ein Grillabend mit „Putins Rockern“, dem Motorradclub „Nachtwölfe MC“ befindet sich aktuell in der Planung. In Pskov können sich die Friedensfahrer auf ein deutsch – russisches Fußballspiel freuen.

In Moskau soll es eine internationale Pressekonferenz geben. Die Organisatoren bemühen sich derzeit, einen persönlichen Übergabetermin für Christine Seibels Ölgemälde mit Wladimir Putin zu vereinbaren.

Sympathisanten des Projektes, die wie Frau Seibel nicht mitfahren können, haben die Möglichkeit die Friedensfahrt bei der Auftaktkundgebung am 7. August 2016 um 15 Uhr am Brandenburger Tor in Berlin zu verabschieden. Als Redner wurde der ehemalige CDU – Bundestagsabgeordnete und Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister der Verteidigung Willy Wimmer angekündigt. Musik gibt’s von „Kilez More“, „Die Bandbreite“ und „Photon“ auf die Ohren. Ebenfalls am Brandenburger Tor findet zwei Wochen später, am 21. August, auch der feierliche Empfang der Rundreisenden statt, samt Abschlusskundgebung.

Weitere Infos und Online-Petition für Frieden mit Russland unter: www.druschba.info

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