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Kampf um Damaskus – worum geht es wirklich?

29. März 2013
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Die Fronten in Syrien könnten kaum verworrener sein und dennoch gibt es eine Systematik dahinter, wenn man genau hinschaut.

Auf der Seite derjenigen, die die aktuelle Zerstörung Syriens massiv mit Waffen, Propaganda, bezahlten Söldnern und eigenen Soldaten unterstützen stehen Israel, die USA, die gesamte den USA und Israel dienende Westliche Welt, selbst die Türkei, Saudi-Arabien sowie weitere Feudalhäuser der Region und alle Salafisten. Das ist wirklich eine Allianz, wie sie bei anderer Gelegenheit kaum vorstellbar gewesen wäre. Und dennoch ist es keine Überraschung. Auf der anderen Seite stehen weite Teile des syrischen Volkes, Anhänger der Hizbullah im Libanon (inklusive vieler Christen!), die Islamische Republik Iran, aber auch Russland und China; ebenfalls eine Allianz, die in dieser Konstellation in anderen Zusammenhängen kaum vorstellbar wäre.

Der jede Woche neu ausgerufene “Endkampf“, mal heißt er “Wendepunkt“, mal heißt er “Stunde Null“, mal heißt er “Anfang vom Ende des Regimes“ usw… ist nunmehr in den heiligen Monat Ramadan eingetreten. Was sind das für Kräfte, die sich da eigentlich gegenüberstehen?

Das Imperium

Auf der einen Seite steht das “Imperium“, dominiert von Israel und den USA, die der Welt glaubhaft machen wollen, dass sämtliche Weltpolitik von ihnen zu entscheiden sei und jeder sich ihnen zu unterwerfen habe. Saudi-Arabien dient jenem Imperium in jeder Hinsicht und darf daher seine menschenverachtende Politik im missbrauchten Namen des Islam ungehindert fortsetzen und sogar ausbauen. Deutschland will jene Politik offensichtlich mit massiven Waffenverkäufen unterstützen. Selbst die Türkei hat faktisch eine Art Guerillakrieg gegen den Nachbarn erklärt und lässt alle Terrorbanden problemlos Schutz in der Türkei finden. Die völlig uneingeschränkte Popularität des amtierenden Ministerpräsidenten macht es möglich.

Dem Imperium ging es nie um solche Dinge wie Kopftuch oder Fasten, sondern stets nur um Macht! Wenn Kopftuch und Fasten der Macht gefährlich werden, müssen sie verboten werden. Wenn aber die Verbote der Macht gefährlich werden, dann werden sie wieder aufgehoben. Jahrzehntelang war das Kopftuch und Fasten dem türkischen Militär ein Dorn im Auge, weil zu viele Menschen sich muslimisch orientiert haben und so das Militär genau so umorganisiert werden musste, wie die Wirtschaft. Also wurde umgedacht und eine Art kapitalistisches Kopftuch und Fasten entwickelt. Die Muslime dürfen ihre Riten zwar jetzt freier als je zuvor befolgen, aber sie haben sich einem in dieser Form nie zuvor dagewesenen extremen Zins- und Schuldenkapitalismus zu unterwerfen. Die Türkei war der Vorreiter. Das aus Sicht des Imperiums erfolgreiche Modell soll nunmehr auch in den nordafrikanischen Staaten implementiert werden.

In Syrien – aber auch in Afghanistan, Bahrain, Jemen, Irak, Libyen usw. – geht es nicht um eine “Änderung des Regimes“ oder gar um Menschenrechte! Es geht schlicht und einfach um das Überleben eines auf Plünderung der Welt basierenden Imperiums. Und so ist es kein Zufall, dass das “syrische Regime“ auf den Lippen westlicher Politiker keine Zukunft mehr hat, während die gleichen Lippen keinerlei Zukunftssorgen für das bahrainische Volk haben. Und daher kann man auch die gegnerische Allianz gut verstehen. Iran und große Teile Libanons haben dieses Bewusstsein schon weit entwickelt und wissen, dass es hier um die Zukunft der Welt als Sklave des Imperiums oder in einer gerechten Freiheit geht. Russland und China verfolgen zwar ureigenste Imperialinteressen, stehen aber somit auf der gleichen Seite, da sie das bestehende Imperium in seinem Ausweitungswahn eindämmen wollen. Zudem haben beide Staaten hinreichend Probleme mit aus Saudi-Arabien finanzierten Salafisten, die die nicht unbeträchtlichen muslimischen Bevölkerungsanteile unterwandern. Russland hat – das wissen viele nicht – mit seinen rund 15% Muslimen einen erheblich größeren muslimischen Bevölkerungsanteil, als alle anderen europäischen Staaten.

Und so geht es in Syrien weder um Menschenrechte, noch um Freiheit oder gar Frieden. Es geht um die Imperialachse USA-Israel, die bei einem Zusammenbruch des Kapitalismus in ihren heutigen Formen kaum weiterexistieren könnten. Dabei frisst der Kapitalismus inzwischen auch die Rechte der westlichen Bevölkerungen. Wie ernst die Lage ist, spiegelt sich auch in der mittlerweise zweiten Selbstverbrennung eines Israelis innerhalb einer Woche wieder.

Ja, in Syrien geht es um erheblich mehr als um das Land, den Staat oder die Staatsführung. Es geht um die Zukunft dieser Welt. Auch wenn die jahrhundertealten Prophezeiungen des Islam von einer Zerstörung Syriens ausgehen, so tun alle friedliebenden Menschen ihr Bestes, um das zu verhindern, denn das ist unsere Aufgabe als freie Menschen.

Ausblick

Der Kapitalismus, der US-Imperialismus, der Zinswahn, die USA, Israel und viele anderen Gebilde, die wir heute als “normal“ betrachten, werden eines Tages rückblickend als größte Unterdrückungsgebilde der Menschheit bis zur heutigen Zeit eingestuft werden. Und die Menschen werden sich in jener Zukunft darüber wundern, wie es möglich war, dass jene Unterdrückungsgebilde so lange unbehelligt wüten konnten. Sie werden sich fragen, warum Menschen, die vor Tribunale gehören, die mächtigsten Staaten der Welt anführen konnten, ohne jemals belangt zu werden. Die Menschheit besitzt aber heute das Potential dazu, diese Unterdrückungsmaschinerien zu überwinden. Doch es geht nicht durch Dekadenz, sondern nur durch Anstrengung.

Die Bevölkerung Deutschlands ist befähigt zur Anstrebung und auch geübt darin, auch die heutigen Generationen. Noch immer werden die besten Autos der Welt in Deutschland gebaut. Noch immer kommen die besten Waschmaschinen und Kühlschränke aus Deutschland. Noch immer ist Deutschland Vorreiter der Verfahrenstechnik und des Maschinenbaus. Das sind alles Leistungen eines Landes, indem die Bevölkerung vom Gesellen bis zum promovierten Ingenieur, vom Meister bis zum Arzt, ihr Bestes tun. Aber neben dieser Anstrengungsfähigkeit bedarf es noch einer Tugend, die in Deutschland in den letzten Jahren etwas gelitten hat: Mut; Mut zur Wahrheit, Mut zur Aufrichtigkeit, Mut zum Widerstand gegen Ungerechtigkeit, Mut sich für die Gerechtigkeit einzusetzen.